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Taiwan – Gute Aussichten trotz Druck vom Festland

Die hohe Nachfrage nach Mikrochips gibt Taiwans Wirtschaft Rückenwind.
Die hohe Nachfrage nach Mikrochips gibt Taiwans Wirtschaft Rückenwind. © Nicholas Thein www.pixelio.de

_ Taiwans Währungshüter hoben jüngst die in ihren Projektionen enthaltene BIP-Prognose für das laufende Jahr von 3,7% auf 4,5% an. Hauptgrund für das erneut höhere Wachstum ist die starke Exportentwicklung, die durch die weltweite Nachfrage, insbesondere nach Mikrochips, unterstützt wird. Taiwan konnte sich sogar noch etwas schneller als das Festland aus der Corona-Pandemie lösen und läuft damit gewissermaßen der Erholung der Weltwirtschaft voraus.

Taiwan profitiert namentlich von seiner starken Chip-Industrie und deren Flaggschiff TSMC (s. a. S. 2), das von der Corona-Pandemie und der Erholung gleichermaßen profitiert: Mit dem Trend zum Homeoffice wuchs der Bedarf an Hardware von den Laptops bis zu Netzwerkausrüstungen gewaltig an. Und in diesen Anstieg hinein zog die Nachfrage nach Autos schneller an als gedacht und damit die Chipnachfrage der Autobauer. So wurde die Elektronikindustrie Taiwans zu einem der großen Gewinner der Corona-Krise. Die Exporte von Elektronikkomponenten stiegen allein im vergangenen Jahr um 20% und dieser Trend setzt sich auch im laufenden Jahr fort. Die Chip-Hersteller wie TSMC planen daher bereits mit massiven Kapazitätserweiterungen für die kommenden Jahre. Taiwan will die technologische Marktführerschaft in diesem Segment auf längere Sicht verteidigen.

Zudem dürfte die inländische Nachfrage ebenfalls neuen Schub bekommen: Nach Versteigerung der 5G-Lizenzen im vergangenen Jahr plant die Telekom-Branche bis 2024 Investitionen von wenigsten 3 Milliarden US-Dollar allein für den Ausbau der Infrastruktur. Auch andere Mega-Trends wie autonomes Fahren oder Internet der Dinge werden davon profitieren. Perspektivisch will Taiwan nicht allein Standort der Chip-Herstellung bleiben, sondern sich weiterentwicklen zum Zentrum für Digitalisierung und künstliche Intelligenz. Dazu haben die entscheidenden US-amerikanischen IT-Adressen wie Google, Microsoft oder Apple bereits hohe Investitionen auf der Insel angekündigt. Dieser Markt („Artificial Intelligence of Things“) expandierte seit 2018 um rund 50% auf 52 Mrd. Dollar und soll sich – unterstützt von der Regierung – auch künftig dynamisch entwickeln. Allerdings bleibt als Belastungsfaktor der Druck des Festlands, also der Volksrepublik China, die ihren prinzipiellen Herrschaftsanspruch über Taiwan nicht aufgibt und am Beispiel Hongkongs mittlerweile deutlich gemacht hat, was droht, wenn Peking die Macht übernimmt.

Indes dürfte genau hier auch ein Trumpf Taiwans gegenüber Peking liegen: Solange Taiwan als Brückenkopf des Westens in Asien die Chancen auf Zugang zu westlichen Technologien bietet, wäre es aus Pekinger Sicht ein schlechtes Geschäft, dieses Modell gewaltsam zu stören, zumal ein Übergriff auf Taiwan zur Konfrontation mit den USA führen würde. Die USA haben ihre Verbindung zu Taiwan gerade noch einmal mit diplomatischen und militärischen Gesten klargestellt: Die Passage von US-Kriegsschiffen durch die Taiwanstraße wie auch der hochrangige Besuch in Taipeh verpflichtet die USA schon aus Gründen der Gesichtswahrung.

Anleger sollten sich auf Taiwans Technologiewerte konzentrieren und dürfen kriegerische Töne aus Peking vernachlässigen.

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