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Zentralasien – Unruhen am Kaukasus

Der armenisch-aserbeidschanische Konflikt stört die Ruhe in der Kaukasus-Region.
Der armenisch-aserbeidschanische Konflikt stört die Ruhe in der Kaukasus-Region. © CC0

_ Die Region der ehemals sowjetischen Republiken am Kaukasus und in Zentralasien kommt nicht zur Ruhe. Das zeigen die neu entflammten armenisch-aserbeidschanischen Auseinandersetzungen. Den vorliegenden Berichten zufolge drangen aserbeidschanische Truppen unter Verletzung des Waffenstillstandsabkommens etwa 3,5 km auf armenisches Gebiet vor, ohne dass Russland als Vermittler und Garant des Abkommens darauf aktiv reagierte, obwohl 2 000 russische Soldaten das Übereinkommen nach dem kalten Frieden bewachen.

Die Zurückhaltung Moskaus ist umso bemerkenswerter, als Armenien formell mit Russland verbündet ist in der „Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit“. Hier hat Russland nach Ende des Warschauer Paktes seine Getreuen versammelt. Armenien appellierte auch förmlich an die Organisation, die ihre Mitgliedsstaaten verpflichtet, sich gegenseitig vor Angriffen von außen zu schützen. Armenien hat dort aber wenig zu erwarten. Die Regierung in Jerewan musste sich mit der Erklärung begnügen, dass man „die sich entwickelnde Situation genau verfolgt“ und dass „wenn sich die Situation entwickelt, erforderlichenfalls Maßnahmen ergriffen werden, wie im Vertrag festgelegt“.

Bemerkenswert ist auch, dass der russische Außenminister Sergej Lawrow noch in der Woche vor den neuen Zwischenfällen Jerewan und Baku besucht hat, angeblich ohne die Gefahr zu erkennen oder gar den Konflikt im eigenen Hinterhof eindämmen zu können. Tatsache ist, dass das Putin-Regime kein Interesse am vertraglich zugesagten Schutz Armeniens hat: Die „Samtene Revolution“, die demokratische Verhältnisse in Armenien gesichert hat, passt nicht in Moskaus totalitäre Grundüberzeugungen. Politisch ist eher Aserbeidschan ein Verbündeter. Da Moskau schon allein aus Gründen der Machtsicherung kein Interesse an Frieden in der Region hat und Aserbeidschans Expansionsdrang ungebrochen ist, sind weitere „Zwischenfälle“ zu erwarten.

Unterdessen arbeitet Aserbeidschan auch an der Ausbeutung der (zurück-) gewonnenen Gebiete: Das Staatsunternehmen Azergold will bis 2027 sechs Gold-, vier Kupfer- und eine Polymetallerzlagerstätte erschließen und industriell nutzen, wie die aus Steuergeldern finanzierte GTAI mitteilte. Zudem soll die Azergold-Tochter Dashkesan Demir Filiz die Eisenerzlagerstätte Daschkesan erkunden und für die industrielle Nutzung vorbereiten. Nicht nur dabei, sondern auch bei 24 weiteren Projekten sind in- und ausländische Partner gefragt.

Indes liegt nicht nur das Daschkesan-Vorkommen mitten im umstrittenen Gebiet mit mehrheitlich armenischer Bevölkerung, sondern auch die meisten der 24 anderen Bergbauprojekte, die im Laufe dieses Jahres versteigert werden sollen. Dabei fordert die Türkei eine bevorzugte Behandlung ihrer Unternehmen und Interessen ein. Ihre militärische Unterstützung gilt als entscheidend für den militärischen Erfolg. Nun erhält sie ihren Anteil an der Kriegsbeute und wird sich gegen westliche Konkurrenz zu wehren wissen.

Wer auch immer sich in Zentralasien mit Investments engagiert, begibt sich in ein Wespennest.

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