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China – Sein oder Nichtsein in Hongkong

Die Dominanz chinesischer Firmen im Hang Seng wird für den Finanzplatz Hongkong zur Last.
Die Dominanz chinesischer Firmen im Hang Seng wird für den Finanzplatz Hongkong zur Last. © Nicholas Thein www.pixelio.de

_ Der Finanzplatz Hongkong und dessen wichtigster lokaler Investmentfonds, der von der Bostoner US-Investmentfirma State Street gemanagte Tracker Fund of Hong Kong, kurz TraHK (HK2800008867), drohen im Sanktionskrieg zwischen Peking und Washington zerrieben zu werden. Der Fonds ist ein Überbleibsel der Asienkrise der 1990er Jahre.

Die lokale Regierung startete den Fonds, um die Bindung des Hongkong- an den US-Dollar abzusichern, indem Anteile der seinerzeit führenden Unternehmen der Kronkolonie aufgekauft wurden, die als „too big to fail“ galten und damit stabilisiert wurden. Daraus ergab sich die Vorgabe für Manager State Street, den Fonds an den Hang Seng Index (HSI) anzulehnen. Diese Vorgabe gilt bis heute und macht seine Brauchbarkeit und daraus erwachsende Popularität (NAV: 96 Mrd. HKD, rd. 10 Mrd. Euro) aus.

Die Management-Vorgabe ist aber auch Kern des neuen Problems: In den vergangenen zwei Jahrzehnten sind zahlreiche neue Unternehmen des Festlands in den HSI aufgestiegen. Und hier überschneidet sich die US-Sanktionspolitik mit dem Index. Auf der mittlerweile 44 Unternehmen umfassenden US-Sanktionsliste stehen zwölf im HSI enthaltene Unternehmen wie Xiaomi, China Unicorn oder die China National Offshore Oil Corporation (CNOOC). Mit diesen Firmen dürfen weder Finanzgeschäfte gemacht, noch ihre Anteile gehandelt werden. Wer dabei erwischt wird und in den Bereich der langen Arme Washingtons gerät, muss mit harten Strafen rechnen. Und genau das muss State Street als Fondsmanager freilich tun. Sieben der zehn schwersten HSI-Titel sind auf dem Festland beheimatet. Mit HSBC sowie Hong Kong Exchanges and Clearing sind nur noch zwei gehandelte Unternehmen tatsächlich in Hongkong verankert. Insofern ist das Schicksal dieses Fonds der Indikator, an dem das weitere Schicksal des Finanzplatzes Hongkong sichtbar wird.

State Street verkündete im Januar zunächst, man werde keine neuen Investments in Papiere der auf der US-Sanktionsliste stehenden Firmen tätigen – was ganze 48 Stunden haltbar war. State Street ist immer noch Manager und handelt auch weiter die sanktionierten Unternehmen. Allerdings kann die Sanktionskeule nicht nur von der US-Seite jederzeit zuschlagen. Ein Teil der chinesischen Antworten auf die US-Sanktionen sind Gesetze, die Strafen gegen international agierende Unternehmen vorsehen, falls diese ausländische Sanktionsdrohungen beachten. Bislang halten beide Seiten offiziell still, aber zumindest auf chinesischer Seite mehren sich Stimmen, welche die Ablösung von State Street verlangen.

Käme die Ablösung erkennbar auf Weisung Pekings, ergäbe sich ein verheerendes Signal für den Finanzplatz Hongkong, der damit endgültig zu einer chinesischen Provinzstadt herabgestuft würde, fern aller rechtstaatlichen Verhältnisse. Gäbe State Street das Mandat von sich aus ab, wäre die Bank unerwünscht soweit der Arm Pekings reicht und das Asiengeschäft verloren. Gegen die US-Regierung ist genauso wenig zu gewinnen. Der Loyalitätskonflikt scheint nicht mehr lösbar – was letztlich für den ganzen Finanzplatz gilt, der rapide an Bedeutung einbüßt.

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