Fahrvermittler

Didi – Böse Schlammschlacht

Der chinesische Drache frißt einige seiner (Technik-)Kinder
Der chinesische Drache frißt einige seiner (Technik-)Kinder © CCO-Public Domain

_ Beim chinesischen Fahrdienstvermittler Didi Chuxing überschlugen sich die Ereignisse in den vergangenen Tagen. Nur wenige Stunden nach dem Gang an die NYSE am Mittwoch (30.6.) musste das Unternehmen schon einen ersten herben Tiefschlag einstecken, nachdem das chinesische Digitalministerium kurzerhand die App aus den App-Stores verbann. Damit gerät Didi, wie bereits zuvor die Ant-Group von Alibaba, ins Fadenkreuz des chinesischen Feldzugs gegen seine eigenen Technologiekonzerne.

Operativ sieht es hingegen für den Uber-Rivalen gut aus. Die App des Fahrtenvermittlers ist in China eine wahre Macht, vor allem bei der jüngeren Stadtbevölkerung kommt sie gut an. Nach eigenen Angaben zählt der Ride-Hailing-Anbieter 377 Mio. Kunden und vermittelt 20 Mio. Fahrten täglich. Bemerkenswert am operativen Geschäft ist, dass Didi 95% des Umsatzes in China erzielt und nach jahrelangen Verlusten im Q1 in die Gewinnzone gesprungen ist – anders als die beiden US-Wettbewerber Uber und Lyft.

Grund genug für das Unternehmen, die Gunst der Stunde zu nutzen und die positive Geschäftsentwicklung mit dem Börsengang zu vergolden. 4,4 Mrd. US-Dollar hat Didi damit eingenommen. Bei einem Ausgabepreis von 14,00 Dollar lag die Marktkapitalisierung bei der Erstnotiz bei 67 Mrd. Dollar. Am ersten Handelstag kletterte der Wert sogar auf 16,40 Dollar hoch. Nachdem die chinesische Regulierungsbehörde am späten Freitag eine Überprüfung der Datenschutzpraktiken des Technologiekonzerns angekündigt hatte, brach der Kurs kurzerhand zu Wochenbeginn um 20% ein.

Der Vorwurf: Didi (12,34 Dollar; A3CTLG ;US23292E1082) habe persönliche Nutzerdaten unsachgemäß gesammelt, die nun unkontrolliert ins Ausland abwandern könnten, was eine Gefahr für die nationale Sicherheit darstelle. Die zugehörige App wurde gesperrt und dem Unternehmen ist es fortan untersagt, Neukundengeschäft zu betreiben. In der Folge sprach der Vorstand eine Umsatzwarnung für das laufende Geschäftsjahr aus. Analysten gehen davon, dass das Vorgehen der chinesischen Behörden im schlimmsten Fall mit dem Entzug der Transportlizenz einhergeht.

Ob die chinesische Regierung tatsächlich so weit gehen wird, darf bezweifelt werden. Dennoch veranschaulicht der Fall, dass China-Investments mit Vorsicht zu genießen sind. Trotz ausgeklügelter Geschäftsmodelle mangelt es an Vertrauen in den chinesischen Markt, was für langfristige Investments eine Grundvoraussetzung ist.

Verbrennen Sie sich nicht die Finger an der Didi-Aktie. Wir raten, das Spektakel von der Seitenlinie zu beobachten.

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