Vor diesem Hintergrund sind wir mit der Performance unseres Musterdepots noch ganz zufrieden. Unter dem Strich hat das Portfolio nur rund 2,5% an Wert verloren. Und das, obwohl die Trades auf Clere und Steinhoff ausgestoppt und auch die anderen Long-Positionen zum Teil erheblich zurückgeworfen wurden. Im Gegenzug konnten wir aber bei unseren drei Short-Trades gute Gewinne verzeichnen. Auch der Inline-Optionsschein auf den Ölpreis hat sich deutlich erholt, weil die Gefahr eines Bruchs der oberen Barriere (55 US-Dollar) durch den Preisrückgang gesunken ist und bis zur unteren Barriere (30 Dollar) noch reichlich Luft bleibt. Und nicht zuletzt zeigte auch das Zertifikat auf unser Dachwikifolio klare relative Stärke.

Das von uns am Freitagmorgen befürchtete Szenario, dass wir bei einigen Depotwerten zum Handelsstart nahe oder genau am Tagestief ausgestoppt werden, ist glücklicherweise nicht eingetroffen. Dabei hat sich ausgezahlt, dass wir mit vergleichsweise moderaten Hebeleffekten gearbeitet haben und so bei den Absicherungen etwas Luft lassen konnten. Enge Stoppkurse hätten an so einem Tag nicht wirklich vor Verlusten geschützt, weil die Ausführung in der Regel deutlich darunter erfolgt wäre. Zumal in solchen Phasen auch die Emittenten auf die starken Kursschwankungen reagieren und mit zum Teil deutlich ausgeweiteten Spreads arbeiten. Das alles macht Trading nicht wirklich einfacher, was auch ein Grund für den Verzicht auf die (relativ teure) Depot-Versicherung war.

Wie geht es an den Börsen jetzt weiter? Diese Frage lässt sich seriös momentan nicht beantworten. Zwar haben Volkswirte im Vorfeld immer wieder betont, dass sich die wirtschaftlichen Folgen für die Eurozone – anders als in Großbritannien – in Grenzen halten dürften. Die Sorgen vor einem kompletten Zusammenbruch der EU könnten aber eine Anti-Euro-Stimmung auslösen, was den Aktienmärkten hierzulande alles andere als gut bekommen würde. Hier ist also mal wieder die Politik gefordert, für stabile Verhältnisse zu sorgen. Erschwerend kommt hinzu, dass die weltweiten Fondsmanager Aktien aus Euroland immer noch übergewichtet haben. Eine solche Positionierung lässt sich Stand heute den Anlegern gegenüber nur noch schwer rechtfertigen, weshalb hier durchaus mit Reaktionen zu rechnen ist. Und die großen Player am Markt bestimmen mittelfristig nun mal die Richtung.
Letztlich bleibt aber alles reine Spekulation und als Erstes werden wir die Handlungen der gewichtigen Marktteilnehmer wahrscheinlich in den Charts ablesen können. Dort ist die Lage derzeit noch unklar. Im Tageschart sind die Aufwärtstrends durch den Crash zwar kurz verletzt, dank der schnellen Erholung aber noch nicht nachhaltig gebrochen worden. Mit Blick auf das große Bild bleibt ein Rückfall in die hier mehrfach erwähnte Unterstützungszone zwischen 7 600 und 8 200 Punkten jedoch eine nicht auszuschließende Option.