Deutsche Börse kauft sich selbst

"Als Börsenbetreiber hat man es in der heutigen Zeit nicht leicht. Nachdem die Politik und ein Teil der Medien neben den Banken vor allem die „bösen Spekulanten“ als Hauptverantwortliche für die Finanzkrise und diverse andere Probleme auserkoren haben, ist das Vertrauen vieler Anleger in die Kapitalmärkte vollends verloren gegangen. Die daraus resultierende Flaute bei den Transaktionen schlägt sich spürbar im Zahlenwerk der großen Börsenplätze nieder. Auch die Deutsche Börse hat unter der anhaltenden Zurückhaltung der Investoren zu leiden. Zumal nicht nur die Privatanleger, sondern auch institutionelle Investoren ihre Aktivitäten phasenweise deutlich reduziert haben."

Obwohl sich die Aktienmärkte gerade im dritten Quartal des laufenden Jahres sehr positiv entwickelt hatten, musste die Deutsche Börse ihre Jahresprognose nach wenig überzeugenden Q3-Zahlen vor rund zwei Wochen nach unten revidieren. Statt den ursprünglich als Mindestwert genannten 2,15 Mrd. Euro erwartet der Konzern beim Nettogewinn jetzt nur noch 1,95 Mrd. Euro. Ursächlich dafür waren vor allem die schwachen Börsenumsätze in den Segmenten Xetra und Eurex. Im Xetra-Handel ist das Handelsvolumen im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um fast 40% eingebrochen. Und eine nachhaltige Erholung ist nicht in Sicht, nachdem die Deutsche Börse auch für den Oktober von einer gedämpften Entwicklung berichtete. Zudem wird im Q4 ein projektbezogener Kostenanstieg das Ergebnis belasten.

Für das kommende Jahr zeigt sich das Unternehmen zwar verhalten optimistisch. Das ohnehin schon sehr vage formulierte Ziel einer „Steigerung der Nettoerlöse“ wurde allerdings nur mit dem Hinweis ausgegeben, dass sich dafür das Marktumfeld nicht weiter verschlechtern dürfe. Damit sind von der Zahlenseite in den kommenden Monaten keine kurstreibenden Nachrichten zu erwarten. Auch die Investitionen in die Derivatebörse Eurex und den Abwicklungs- und Verwahrungsdienstleister Clearstream (wie der gerade angekündigte Ausbau der Präsenz in Russland) werden sich wohl erst mittel- bis langfristig positiv auswirken.

Dass sich verschiedene Analysten nach Vorlage der Quartalsergebnisse trotzdem überwiegend neutral bis positiv zu den Aussichten des Aktienkurses geäußert haben, liegt neben der moderaten Bewertung und der recht ansehnlichen Dividendenrendite vor allem an dem jetzt offiziell gestarteten Aktienrückkauf der Deutschen Börse. Wenn sonst schon keiner Geschäfte an der Börse tätigen will, muss der Hausherr eben selbst aktiv werden. Bis Ende Dezember wollen die Hessen über den Markt eigene Aktien im Wert von bis zu 100 Mio. Euro erwerben. Wie das Unternehmen jetzt meldete, sind davon bis Ende der vergangenen Woche bereits rund 17 Mio. Euro „abgearbeitet“ worden. In diesem Umfang dürfte sich das Volumen auch in den restlichen Wochen des Jahres bewegen. Der Aktienkurs konnte sich in diesem Umfeld trotz der Prognose-Revidierung zumindest stabilisieren. Einen echten Aufschwung gab es aber nicht.

Im Ratio-Chart zum DAX zeigt sich seit Anfang des Monats hingegen tatsächlich eine leichte Erholung. Hier geht es allerdings auch schon seit Jahren unter zum Teil sehr starken Schwankungen bergab, so dass es sich auch bei dem jüngsten Aufschwung bislang erst einmal nur um eine typische Gegenbewegung im intakten Abwärtstrend handelt.

Sollte der deutsche Leitindex im den kommenden Wochen und Monaten nicht massiv einbrechen, rechnen wir auch diesmal wieder mit einem baldigen Ende der Erholung und einer Fortsetzung der Underperformance.

Mit Blick auf die etwas stützenden Aktienrückkäufe arbeiten wir bei dem Alpha Short Turbo der DZ Bank aber mit einem Abstauberlimit für den Einstieg. Der bis Dezember 2013 laufende Schein hat bei Ausführung der Kauforder einen Hebel von 5,7.

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