Bei BMW schnurren die Motoren

"Die Börse ist in vielen Fällen ein wirklich zuverlässiger Frühindikator. In einer Zeit, in der die Konjunktursorgen zuletzt immer größer wurden, hat die Aktie des Automobilbauers BMW ihre Krise schon längst hinter sich. Von dem im Frühjahr markierten Jahreshoch bei knapp 94 Euro war es mit der Stammaktie innerhalb weniger Monate um fast 30% bergab gegangen. Ende Juni wurde dieser Abwärtstrend dann aber gestoppt und es entwickelte sich eine langwierige Phase der Bodenbildung. Schon damals deutete das Kursverhalten der Aktie also darauf hin, dass die Lage zwar ernst, aber nicht völlig hoffnungslos ist. Und mit den jüngsten Unternehmenszahlen wurde genau das dann auch bestätigt."

BMW profitierte in den vergangenen Monaten davon, dass die Nachfrage im Bereich der Luxusautos deutlich weniger anfällig für Konjunkturschwankungen ist als im Segment der günstigeren Pkws. Vor allem gelang es dem Premiumhersteller, die nun schon seit mehreren Jahren anhaltende Schwäche in Europa durch starke Zuwächse in den USA und vor allem Asien zu kompensieren. Im dritten Quartal des laufenden Jahres wurde der Umsatz daher um rund 14% erhöht, der Nettogewinn stieg sogar noch etwas stärker um knapp 16%. Etwas enttäuscht zeigten sich Marktteilnehmer in der ersten Reaktion von der operativen Marge im Autosegment. Hier zeigt sich BMW auch mit Blick auf das Gesamtjahr mit der Prognose einer EBIT-Marge am oberen Ende der Zielrange von 8 bis 10% im Vergleich zu den nach neun Monaten vorliegenden Zahlen vergleichsweise vorsichtig.

Durch starke Ergebnisse in Randsegmenten lag der Gewinn unter dem Strich aber dennoch über den Konsensschätzungen der Analysten, die sich auch weitestgehend positiv zur Aktie äußern. Beeindruckt zeigt man sich dabei vor allem von der nachhaltigen Cash-Flow-Generierung des Unternehmens. Der grundsätzlich positive Trend bei BMW hat sich zu Beginn des Schlussquartals fortgesetzt. In der abgelaufenen Woche meldeten die Bayern mit einem Absatzplus von gut 13% und insgesamt mehr als 157 000 ausgelieferten Fahrzeugen den „besten Oktober aller Zeiten“. In China kletterte der Absatz gar um 52%. Damit scheinen die Sorgen vor einer deutlich nachlassenden Dynamik in der Wachstumsregion mal wieder übertrieben. Das ist für BMW von enormer Bedeutung, denn hier ist der Autobauer im Vergleich zur Konkurrenz nach Ansicht von Experten zurzeit am besten positioniert.

Während der Konzern erneut verkündete, „gut unterwegs“ in Richtung neuer Jahresrekorde zu sein, halten sich die Bayern
bei der Prognose für das kommende Jahr unverändert bedeckt. Wegen des stärkeren Wettbewerb im Premiumsegment, hohen Preisdrucks und steigender Investitionen will sich der Vorstand noch nicht konkret zu den Aussichten für 2013 äußern. Mit Blick auf die Branchenschätzungen, die von der Grundtendenz her eine Fortsetzung der jüngsten Entwicklung (Schwäche in Europa, aber weltweit weiter leichtes Wachstum) in Aussicht stellen, sollte BMW aber auch weiterhin gute Ergebnisse ausweisen können. Und damit vielleicht erneut positiv überraschen, denn im Konsens gehen Analysten zurzeit von sinkenden Gewinnen vor Zinsen und Steuern aus.

Die Aktie hat mit dem Bruch des Widerstands bei 62 Euro die Phase der Bodenbildung endgültig erfolgreich beendet. Neben dem mittelfristigen Aufwärtstrend seit Ende Juni hat sich dabei nun auch eine kurzfristige Aufwärtsbewegung etabliert. Das letzte relative Tief dieses Trends liegt bei gut 59 Euro und dient damit als Anhaltspunkt für den Stoppkurs. Nachdem der letzte Bewegungsarm dieses Trends bis rund 66 Euro lief und wir uns aktuell in der Korrekturphase befinden, versuchen wir mit einem Staffelkauf einzusteigen.

Konkret haben wir die beiden Kauflimits bei Aktienkursniveaus von 63 und 62 Euro platziert. Die erste Order ist auch bereits aufgegangen. Der Stoppkurs liegt wie erwähnt auf der Marke von rund 59 Euro. Wir handeln hier also den kleinen Trend der laufenden Aufwärtsbewegung. Der Mini Long Future von Vontobel (Basispreis: 52,46 Euro; Knock-out-Marke: 55,01 Euro) hat einen etwa sechsfachen Hebel. Wir riskieren bei dieser Position gut 0,9% unseres aktuellen Tradingkapitals, sofern auch das zweite Limit aufgeht.

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