Prüfstand

RIB Software lässt über Einstieg von Finanzinvestoren spekulieren

RIB Software ist auch auf internationalen Baumessen wie der ITWO World präsent
RIB Software ist auch auf internationalen Baumessen wie der ITWO World präsent © RIB Software

In dieser Woche hatten sich Anleger von RIB Software die Quartalzahlen vorgemerkt. Ein verbesserter Ausblick und ein möglicher Einstieg von Finanzinvestoren schickte die Aktie (20,30 Euro; DE000A0Z2XN6) des Bausoftwarespezialisten dann aber unerwartet auf eine größere Berg- und Talfahrt.

Operativ sind die Stuttgarter im Investitionszyklus und bauen vor allem cloudbasierte Dienste zusammen mit Partnern wie Microsoft aus. Die Nutzerzahlen auf den eigenen Plattformen zum vernetzten Planen, Bauen und Bewirtschaften von Gebäuden sollen aggressiv von 30 000 Ende 2019 auf über 100 000 Ende 2020 und mittelfristig sogar über 2 Mio. ansteigen. RIB Software würde an den wiederkehrenden Nutzungsgebühren sehr ordentlich verdienen. Aber soweit ist es noch nicht.

Nach wie vor finden wir die aktuelle Gewinnentwicklung unbefriedigend. Zwar kletterte der Umsatz im Q2 um 49,2% auf 46,1 Mio. Euro, das EBITDA sank jedoch um 3,3% auf 8,7 Mio. Euro. Aktionäre verbuchen nur einen Gewinn je Aktie von 0,01 Euro und müssen der längerfristigen Strategie vertrauen. Immerhin plant CEO Thomas Wolf für das laufende Jahr mehr ein: Der Umsatz soll auf 200 Mio. bis 220 Mio. (bisher: 180 Mio. bis 200 Mio.) Euro um bis zu 60% klettern. Und auch das EBITDA wird mit 45 Mio. bis 50 Mio. (bisher: 36 Mio. bis 46 Mio.) Euro höher erwartet.

Seit knapp zehn Jahren leitet Wolf als Vorstandschef die Geschicke von RIB Software. Nun kündigte er seinen Abschied zum Vertragsende 2022 an, den Aktionäre auf den ersten Blick sogar mit Kursgewinnen quittierten. Die Aktie stieg jedoch v. a., weil Wolf Spekulationen mit der Ankündigung einer neuen Strategie und einem möglichen Einstieg von Finanzinvestoren befeuerte. Zusammen mit seiner Familie ist er mit 16,9% immerhin der größte Einzelaktionär und dürfte sich auch über das neue Jahreshoch von 20,98 Euro und die Performance des laufenden Jahres von stolzen 71% freuen. Dies steht allerdings im klaren Widerspruch zur fundamentalen Bewertung. Mit einem 2020er-KGV von 42 und einer schwachen Dividendenrendite von 0,9% ist uns der Titel zu teuer.

PB-Leser sollten RIB Software weiter beobachten.

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