Technologie-Sektor

Qualität unter Beschuss – Tech-Aktien im Fokus

Auch deutsche Tech-Werte gerieten durch Zinssorgen stark unter Druck.
Auch deutsche Tech-Werte gerieten durch Zinssorgen stark unter Druck. © CC0

Im Rahmen der Zinsanhebungsängste gehörten die traditionell recht hoch bewerteten Technologieaktien zu den größten Verlierern. In den Abwärtsstrudel gerieten Qualitätspapiere und Wachstumswerte mit zweifelhafter Perspektive gleichermaßen. Anlass genug, um drei Titel des deutschen Tech-Sektors einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. 

Mit einem Kursabschlag von rd. 23% hat Varta seit Jahresbeginn noch schlechter als der TecDAX (-16%) abgeschnitten. Das zurückliegende Jahr lief für den Batteriekonzern noch recht erfolgreich. Varta steigerte den Umsatz um 3,8% auf 902,9 Mio. Euro und damit mit dem gleichten Tempo des Vj., aber deutlich weniger als die annualisierte Wachstumsrate der vergangenen drei Jahre (49% p. a.). Das EBITDA legte überproportional um satte 17,4% auf 282,9 Mio. Euro zu, was zu einer Margenausweitung auf 31,3% (+680 bps ggü. Vj.) führte.

Für Unmut sorgt derweil der Ausblick auf 2022: Während uns das in Aussicht gestellte Umsatzwachstum auf 950 Mio. bis 1 Mrd. Euro, welches eine Steigerungsrate zwischen 5 und 11% impliziert, zufriedenstellt, enttäuscht die anvisierte Profitabilität: Das EBITDA soll nur bei 260 Mio. bis 280 Mio. Euro liegen und damit unter Vj.-Niveau bleiben. Sorge bereiten dem Unternehmen die stark gestiegenen Rohstoffpreise, die Varta nur mit Verzögerung an die Kunden weiterreichen kann. Angesichts des mageren Ausblicks und des erwarteten EPS-Wachstums von nur 7% p. a. bis 2024 ist uns das 2022er-KGV von 30 für die Aktie (90,80 Euro; DE000A0TGJ55) zu teuer.

Warten Sie bei Varta weiter ab.

Über 30% ging es für den IT-Dienstleister Cancom bergab. Dabei zeigen die vor Wochenfrist (28.3.) veröffentlichten 
Jahreszahlen, dass es operativ kaum besser laufen könnte. Der Umsatz legte zwar „nur“ um 10,9% zu, dafür konnte das EBIT enorm margenausweitend um 31% gesteigert werden. Damit konnte 2021 ein neuer EBIT-Wachstumsrekord aufgestellt werden. Auch für 2022 gibt sich der Vorstand sehr optimistisch. So wird auf allen Ebenen ein „sehr deutliches Wachstum“ erwartet. Analysten rechnen für das Gj. 2022 mit einer EBIT-Ausweitung von 20%. Bei Cancom gefällt uns der Fokus auf organisches Wachstum (9,1%), das trotz der Größe des Unternehmens weiter floriert. Die stabilen, planbaren Cashflows rechtfertigen für uns bei der Aktie (55,95 Euro; DE0005419105) das 2023er-KGV von 29.

Wir steigen bei Cancom wieder ein. Stopp: 42,55 Euro.

Compugroup setzt mit Übernahmeplänen für das Gesundheitsdaten-Analyseunternehmen Insight Health weiter auf anorganisches Wachstum. 61 Mio. bis 63 Mio. Euro will sich der Digitalisierer den Zukauf kosten lassen. Durch den Kursrutsch der Aktie (57,05 Euro; DE000A288904) um bis zu 50% reduzierte sich das 2023er-KGV auf 28, was angesichts der annualisierten Gewinnwachstumsraten von 25% in den kommenden drei Jahren ein durchaus attraktives Niveau ist. Die nicht zyklischen Cashflows und die EBIT-Marge von 15% gefallen uns.

Compugroup ist wieder ein Kauf. Stopp: 42,50 Euro.

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