Globale Risiken

Coface – „Risiken für eine ganze Dekade“

An Konjunkturrisiken herrscht derzeit kein Mangel
An Konjunkturrisiken herrscht derzeit kein Mangel © CC0

_ Da braut sich etwas zusammen. Diese Meinung könnte man durchaus vertreten, wenn man den Vorträgen und Diskussionen beim Coface Kongress „Länderrisiken 2022“ am Donnerstag gelauscht hat. Christiane von Berg hat jedenfalls „keine Lust mehr auf die 2020er-Jahre“, sagte die Research-Expertin des französischen Kreditversicherers in einer sehr lebhaft vorgetragenen Keynote. In ihrem Vortrag hatte sie gleich genug Risiken für eine ganze Dekade parat, die sämtliche Wirtschaftszweige beeinflussen. Aufgrund des Ukraine-Kriegs sowie den umfangreichen Folgen der Sanktionen musste Coface erst jüngst seine BIP-Prognosen für das lf. Jahr revidieren.

Ein Handelsembargo gegen Russland würde sich bei den Importen deutlich stärker auf die deutsche Wirtschaft auswirken als exportseitig. Bei den Einfuhren könnte es neben dem Wegfall von Öl- und Gasimporten besonders im Bereich kritischer Rohstoffe zu Engpässen kommen, was u. a. die deutschen Klimaziele gefährden würde. Das hat Mario Jung von der Hochschule Kaiserslautern am Campus Zweibrücken erst kürzlich in einer Analyse für Coface skizziert. Laut EU-Kommission sind von 25 wichtigen Rohstoffen 18 kritisch in Bezug auf das Angebot – angeführt von Seltenen Erden. Russland ist auch abseits von Gas und Öl ein bekannter Rohstofflieferant. Das Land hat für sieben dieser kritischen Rohstoffe eine wichtige Position auf den globalen Märkten inne und verfügt über größere Reserven.

Als mittlerweile „vergessenes Risiko“ stuft derweil Coface-Expertin von Berg die Lockdowns in China ein und rückt damit die sich ausweitende Lieferkettenproblematik noch einmal in Erinnerung. Sie stehe im regelmäßigen Kontakt mit der Volksrepublik. So stünden mittlerweile über 500 Schiffe in Shanghai in der Warteschlange, heißt es aktuell. Das, aber auch die Russland-Sanktionen könnten fatale Folgen haben.  Im Negativszenario können Rohstoff-Knappheiten ganze Produktionsprozesse lahmlegen, damit auch viele Arbeitsplätze kosten und einzelne Branchen schädigen, so Hochschulprofessor Jung. Gerade ein an Bodenschätzen „armes“ Land wie Deutschland ist auf ein verlässliches Fundament an Rohstoffzulieferungen angewiesen, um die starke industrielle Basis und damit den Wohlstand zu sichern.

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