Anlagestrategien

Comeback der Aktienrückkäufe

Hohe Barmittelbestände machen die Aktienrückkaufprogramme möglich.
Hohe Barmittelbestände machen die Aktienrückkaufprogramme möglich. © Andreas Hermsdorf, www.pixelio.de

_ Kein Geringerer als Warren Buffett erklärte Aktienrückkäufe 2020 zum besten Renditebringer. Doch die Pandemie fegte entsprechende Überlegungen in den Vorstandsetagen hinweg. Inzwischen hat sich das geändert. In den USA nahmen Unternehmen 2021 nach einer Taxe des Indexanbieters S&P Dow Jones Indices rd. 850 Mrd. US-Dollar in die Hand – ein Anstieg von gut 60% gegenüber Vorjahr, aber auch gut 5% mehr als im bisherigen Rekordjahr 2018 (806 Mrd. Dollar).

Zu den „Monster-Käufern“ gehören Apple (jährlich etwa 50 Mrd. Dollar) und seit neuestem auch die Facebook-Mutter Meta Platforms, die im Vj. das Volumen ihrer Aktienrückkäufe verdreifachte und allein im Q3 mit 15 Mrd. Dollar ca. 1,8% der eigenen Marktkapitalisierung, so viel wie nie zuvor, zurückkaufte.

Europa hinkt der Entwicklung hinterher, kann aber ebenfalls mit den Zahlen glänzen. Laut Société Générale waren es 2021 etwa 150 Mrd. Euro, etwa ein Viertel mehr als im Schnitt der vorherigen fünf Jahre. In Deutschland sorgten im Januar bereits SAP (1 Mrd. Euro) und BASF (3 Mrd. Euro) für entsprechende Schlagzeilen.

Es gibt gute Gründe, warum 2022 global und regional ein neues Rekordjahr werden dürfte. Allein US-Unternehmen saßen Ende September nach Schätzungen der Bank of America auf 7 Bio. US-Dollar an Barmitteln, die sich im aktuellen Niedrigzinsumfeld der Notenbanken kaum gewinnbringend anlegen lassen. Weil gleichzeitig am M&A-Markt inzwischen schon wieder hohe Bewertungen herrschen, lassen viele Unternehmenslenker das Geld lieber über Aktienrückkäufe und die damit verbundene künstliche Erhöhung des Gewinns je Aktie in die Steigerung des Aktienkurses fließen (s. a. PLATOW Börse).

Für reichlich Kritik sorgt in den USA aber der Umstand, dass die Konzerne aus Steuergründen nicht die im Ausland liegenden Gewinne zur Finanzierung heranziehen, sondern sich lieber günstig am Anleihemarkt refinanzieren und damit ihre Schuldenlast drastisch erhöhen. Das könnte sich rächen, falls es zu einer neuerlichen internationalen Finanzkrise käme. Aber dieses Szenario spielt auf den Chefetagen derzeit wohl kaum eine Rolle.

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