Homeoffice

Teamwork in Corona-Zeiten – Sind Tele-Drinks das neue Feierabendbier?

Thomas Hey
Thomas Hey © Bird & Bird LLP

Die Corona-Krise und damit einhergehende Kontaktbeschränkungen stellen Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen vor große Herausforderungen. Ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit und Innovationskraft aller ist gefordert. Viele Unternehmen haben kurzfristig große Teile ihrer Belegschaft ins Homeoffice geschickt bzw. sind deren Wünschen nach mobilem Arbeiten/Homeoffice nachgekommen. Dies macht ein Arbeiten in den gewohnten Strukturen – am gewohnten Arbeitsplatz – nahezu unmöglich. Gerade solche Betriebe, in denen die Arbeit im Team elementar ist, bekommen die Konsequenzen dieser gravierenden Änderungen zu spüren. Es stellt sich nicht nur in Krisenzeiten die Frage, wie Teamwork im und aus dem Homeoffice und bei mobiler Arbeit effizient gestaltet und wie die Begegnungen in der Kantine, der Kaffeeküche, das Gespräch auf dem Flur oder der kurze Plausch am Rande der täglichen Arbeit ersetzt werden kann.

Marissa Mayer hat schon vor fünf Jahren das Homeoffice/mobile Arbeiten bei Yahoo abgeschafft: Stichwort: „Die besten Geschäftsideen entstehen in der Kantine!“ Konkurrenten argwöhnten Führungsversagen bei der Führung auf Distanz der mobil bzw. im Homeoffice arbeitenden Kollegen. Yahoo war aber ein Vorreiter. 

Jetzt aber gebietet es die Gesundheit der Beschäftigten, Großraumbüros und eigentlich jede Arbeitssituation, die Menschen eng zusammensitzen lässt, zumindest vorübergehend aufzulösen.

Führung auf Distanz ist ein wichtiger Aspekt. Mindestens genauso wichtig ist aber das Fehlen des kollegialen Miteinanders und die soziale Vereinsamung von Beschäftigten im Keller-Homeoffice: 

Während bei der Arbeit im Büro üblicherweise ein reger Austausch unter Kollegen und Kolleginnen herrscht und Teambesprechungen unkompliziert und kurzfristig organisiert werden können, sieht es beim mobilen Arbeiten bzw. im Homeoffice anders aus. Gerade, wenn ein Großteil des Teams nicht mehr ins Büro kommt – wie es gerade der Fall ist – bedarf es eines hohen Organisationsaufwandes und viel Kreativität, um die gewollte Teamarbeit herzustellen. In Bereichen, in denen eine gute Vernetzung unter den Beschäftigten für eine optimale Arbeitsgestaltung vorausgesetzt wird, wie beispielsweise im Marketingabteilungen, bedarf es dieses Mehraufwands jedoch unbedingt, um einerseits die Motivation der Mitarbeiter zu fördern und andererseits die gesetzten Arbeitsziele möglichst effizient zu erreichen.

Um Teamarbeit auch für Arbeitnehmer im Homeoffice bzw. beim mobilen Arbeiten möglich zu machen, ist die proaktive Umsetzung eines regelmäßigen, virtuellen Austauschs unter Kollegen und ihren Vorgesetzten dringend geboten. Dies hilft zum einen dem Arbeitgeber, den Überblick zu behalten und Arbeitsergebnisse überprüfen zu können. Andererseits können sich die Beschäftigten über den Stand der Arbeit austauschen und Aufgaben geordnet verteilen. Beispielsweise ein routinierter, morgendlicher Videocall mit dem gesamten Team hilft den Beschäftigten ihren Tag zu strukturieren, dessen Gestaltung sich mitunter bei einigen als schwierig erweisen kann, kommt nicht selten noch die Betreuung der Kinder oder die Haushaltsführung hinzu.

Regelmäßige virtuelle Konferenzen vermindern auch das Risiko, Beschäftigte aus dem Team auszuschließen und sie damit zu Einzelkämpfern zu machen. Beschäftigte, die sich nicht in Teamentscheidungen einbezogen und alleine gelassen fühlen, werden ihre Arbeit im Zweifel nur unzureichend erledigen. Dies ist für alle Beteiligten nachteilig und vermeidbar. Damit Videocalls, Chats oder virtuelle Konferenzen effektiv ablaufen können, müssen die technischen Voraussetzungen möglichst perfekt sein. Nur so können die richtigen Tools zum Einsatz kommen. Führungskräfte sind angehalten, aktiv für eine gute Grundlage zu sorgen, damit Teamarbeit auch mobil bzw. im Homeoffice gelingen kann.

Aber nicht nur für die Erledigung der Arbeit selbst ist ein Umdenken erforderlich. Aktive Kommunikation zwischen Kollegen und Kolleginnen, Vorgesetzten und ihren Beschäftigten ist für ein gutes Betriebs- und Arbeitsklima entscheidend. Ein gelegentliches Gespräch in der Kaffeeküche, ein Feierabendbier oder das regelmäßige Teamlunch sind wichtige Aspekte für ein effizientes Arbeiten und sollten nicht vernachlässigt werden. Nicht zuletzt fördert ein gutes Miteinander im Team kreatives und innovatives Denken des Einzelnen.

Doch was tun, wenn ein großer Teil der Belegschaft oder sogar alle Beschäftigten mobil oder im Homeoffice arbeiten? Auch hier scheinen virtuelle Meetings Abhilfe zu leisten. Aktuell führen einige Unternehmen Tele-Drinks anstatt des üblichen Feierabend-Get-Togethers sowie virtuelle Coffee Breaks ein. Auch trafen sich Teams vermehrt zu Lunchmeetings vor dem heimischen Bildschirm. Ein solches Zusammenkommen vermag zunächst ungewohnt klingen, so kann jedoch ein Stück weit die Unternehmenskultur des Miteinanders beibehalten werden. Tischtennisrunden oder Tischfußballrunden, gemeinsame Spaziergänge zum oder nach dem Lunch bedürfen noch eines Ersatzes. Hier ist noch viel Kreativität gefragt, um die oben beschriebenen Aktivitäten zu ersetzen.

Dazu kommen ganz neue Herausforderungen bei virtuellen sozialen Events auf uns zu: Klar ist, es muss mit Bild sein! Aber anders als bisher in der Büro-Atmosphäre muss ich jetzt mein privates Umfeld im Hintergrund präsentieren. Da sind die Nolde-Originale genau so schwierig wie eine Regalwand mit Kinderspielen, wenn alle Kollegen wissen, dass man gar keine Kinder hat – von anderen Bildern oder Dingen im Hintergrund, auf der Fensterbank, etc. ganz zu schweigen. Es gilt hier zwei Dinge zu beachten: Was für einen Eindruck von den Räumen, in denen ich mich privat aufhalte, will ich geben und wie will ich mich präsentieren? Homeoffice ist eben nicht Jogginganzug oder Schiesser-Feinripp, wenn man auf dem Bildschirm erscheint. Gerade – wenn auch nur per Video – müssen Mimik, Gestik und der Anblick der Kollegen die fehlende Anwesenheit ersetzen. Also gilt wie immer: zumindest wertschätzend gegenüber den Kollegen anziehen und einen Hintergrund in der Wohnung suchen, der nichts Falsches preisgibt und andererseits die anderen Teilnehmer des Videocalls nicht „kirre“ macht. Auch im Hintergrund kämpfende Kinder in Starwars-Uniformen sollten vermieden werden. Ganz unglücklich auch wenn der 10-jährige Sohn mitten in die Konferenz hereinstürmt und der Mutter erklärt, dass ihre Medienzeit abgelaufen sei. Da wünscht man sich dann doch ins Büro zurück. Vielleicht lässt sich auch die Diskussion mit der in häuslicher Wohngemeinschaft wohnenden Person über die Badreinigung auf die offline geschaltete Zeit verschieben – was zugegebenermaßen bei 10 Stunden netto Arbeit auf Sendung nicht immer ganz einfach ist.

Und ganz wichtig: Die Kameraausrichtung! Jeder weiß von Urlaubsfotos wie unvorteilhaft man aussieht, wenn man von unten herauf oder von oben herunter eingefangen wird. Also: Ausprobieren vor dem Call UND rechtzeitig alles parat haben. Weniger für den informellen Lunchvideo-Call – huch, jetzt muss ich auch noch überlegen, was und wie ich das esse – als für Team-Calls am Morgen oder während der Arbeitszeit: nichts ärgert die Kollegen so sehr wie der Kollege oder die Kollegin, die den Weg vom Schlafzimmer zum Schreibtisch nicht rechtzeitig schafft oder die Technik nicht rechtzeitig zum Laufen bringt, denn auf den oder die müssen alle anderen warten. Und: noch eine Erfahrung, die die Corona-Welt lehrt: Digital heißt enger getaktet, mehr kurze Termine, mehr Verabredungen und damit auch mehr Disziplin.

Zusammengefasst: Mobiles Arbeiten bzw. Homeoffice ist weder halber Urlaub noch erleichtertes Arbeiten, sondern erfordert viel Umdenken und noch mehr Disziplin.

Neben sozialen Aktivitäten im Team ist es ratsam, auch regelmäßig Einzelgespräche mit den Beschäftigten zu führen. Dies gibt dem Arbeitgeber die Möglichkeit, persönliches, vertrauliches Feedback zu erhalten und gegebenenfalls auf Probleme zu reagieren und hiermit seinen Fürsorgepflichten nachzukommen.

Die aktuellen Herausforderungen sind groß. Doch diese ereignisreiche Zeit sollte auch als Chance genutzt werden, um das mobile Arbeiten bzw. das Arbeiten im Homeoffice gründlich zu überdenken – auch für die Zeit nach dem Ausnahmezustand –, es weiter auszuloten und zu optimieren. Es ist eben nicht so einfach, dass man den Beschäftigten ein Notebook und ein Mobiltelefon in die Hand drückt und schon sind alle glücklicher: Der Arbeitgeber, weil er weniger Bürofläche anmieten muss, und die Beschäftigten, die sich dauerhaft fühlen dürfen wie im Urlaub auf Balkonien (zumindest fast).

Das ist alles falsch: Für Corona muss und kann viel gehen und es ist beeindruckend, was alles geht. Grundsätzlich gilt aber, dass mobiles Arbeiten und/oder Homeoffice oder auch nur das dienstlich bzw. beruflich veranlasste Unterwegs-Sein ganz viele kreative Ideen und ganz viel Umdenken erfordern, sonst endet man wieder im seelenlosen Großraumbüro und hat unterwegs die Hälfte der Belegschaft und der Produktivität verloren.

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