Wirtschaft

2018 soll zu einem Jahr des „Neuaufbruchs“ werden, verkündete Theodor Weimer auf seiner ersten Bilanz-PK als neuer Vorstandschef der Deutschen Börse. Im Visier hat der ehemalige HVB-Lenker dabei vor allem eine Beschleunigung des Umsatzwachstums. Damit liegt Weimer auch voll auf der Linie seiner Investoren, denen ein forciertes Wachstum wichtiger sei als mehr Ergebnis. Da die Börse ein skalierbares Massengeschäft betreibe, sei sie „zum Wachsen verdammt“. Das hält Weimer jedoch nicht davon ab, weiterhin strikt auf die Kosten zu achten. Nach dem Stillstand im vergangenen Jahr im Gefolge der geplatzten Fusion mit der Londoner LSE und den Querelen um seinen Amtsvorgänger Carsten Kengeter drückt Weimer nun aufs Tempo.

Auf Deutschlands größten privaten Krankenversicherer kommen wieder deutlich bessere Zeiten zu. Nachdem das Thema Bürgerversicherung vom Tisch ist, kann sich Debeka-Chef Uwe Laue von nun an voll auf die Betreuung seiner 2,4 Mio. Krankenvollversicherten konzentrieren. Hinzukommen in etwa noch einmal so viele Kunden in der Kranken-Zusatzversicherung. Nach PLATOW-Vorabinformation konnte der Koblenzer Versicherer im abgelaufenen Gj. 2017 seine Beitragseinnahmen in der gesamten Kranken-Sparte im Vergleich zum Vj. (2016: +1,3% auf 5,47 Mrd. Euro) noch einmal deutlich überbieten.

Sehr zuversichtlich zeigte sich Royal Bank of Scotland-Chef Ross McEwan bei der Präsentation der Q3-Zahlen im vergangenen Oktober, dass es noch 2017 gelingen werde, den Rechtsstreit mit dem US-Justizministerium um zweifelhafte Hypotheken-Verbriefungen abzuschließen. Es ist das letzte große Verfahren, das die RBS in den USA noch durchstehen muss, um die Sünden der Vergangenheit endgültig hinter sich zu lassen und die zu 71% von der britischen Regierung teilverstaatlichte Bank fit für die Privatisierung zu machen.

Bei der Allianz ist Erntezeit. Mitten in einem Niedrigzinsumfeld, das andere Häuser an ihre Grenzen bringt, schafft es der größte europäische Versicherer, mit 11,1 Mrd. Euro erneut ein operatives Ergebnis von über 10 Mrd. Euro zu erwirtschaften. Das ist zwar nicht mehr als 2017. Darin sind aber ein schwacher US-Dollar, der das Ergebnis von Pimco schmälert, ebenso wie hohe Naturkatastrophenschäden bereits verarbeitet. Die Allianz profitiert von verschiedenen, bereits lange zurückliegenden Entscheidungen, an denen Ex-McKinsey-Mann und seit 2015 Allianz-Chef Oliver Bäte in seinen früheren Funktionen im Allianz-Vorstand nicht unerheblichen Anteil hatte:

Die Insolvenz von Air Berlin und der Tochter Niki ist an plötzlichen Wendungen in scheinbar beschlossenen Deals kaum zu toppen. Nachdem Lufthansa den Zuschlag für Teile (darunter auch Niki) bekommen hatte, funkten überraschend die EU-Wettbewerbshüter dazwischen. Auch die britisch-spanische IAG blieb glücklos, obwohl CEO Willie Walsh die Tinte unter dem Vertrag schon trocken pusten wollte. Siegreicher Dritter wurde Niki Lauda.

Nach den jüngsten Kursstürzen an den weltweiten Börsen warteten Anleger vergangene Woche sehnlichst auf Erholung. Fernab der großen Sorge vor steigenden Zinsen in den USA, die vielen die Lust am Investieren verleidete, feierte am Freitag (9.2.) das Hochevent des Unnützen, die internationale Konsumgütermesse Ambiente, in der Finanzmetropole Frankfurt Eröffnung. Bis 13.2. dreht sich auf dem Branchenstelldichein wieder alles um die schönen Einrichtungsgegenstände, die keiner braucht, aber zum trendbewussten Lifestyle einfach dazu gehören.

Click, click, buy! Theoretisch ist Onlineshopping in der EU einfach. Praktisch sind ausgerechnet die digitalen Grenzen nahezu undurchlässig. Durch so genanntes „Geoblocking“ schließen Händler internationale Käufer von regionalen Angeboten aus oder leiten sie automatisch auf Webseiten mit höheren Preisen um. Geoblocking ist eine gängige Praxis im europäischen E-Commerce. Satte 63% aller Websites lassen Kunden aus dem EU-Ausland nicht bei sich einkaufen.

Mit dem rasanten Wachstum des Online-Handels nimmt auch das Angebot des bargeldlosen Zahlungsverkehrs zu. Während früher das münzfreie Bezahlen über die Kreditkarte – die Mutter des elekronischen Abkassierens – ablief und Kartenanbieter wie Visa, Mastercard und American Express (AmEx) sich eine goldene Nase verdienten, können shoppingwütige Kunden im Netz heutzutage zwischen zahlreichen Alternativen, wie etwa dem Online-Bezahlverfahren Paydirekt der deutschen Banken und Sparkassen oder dem unkomplizierten Service des US-Bezahldienstes Paypal, wählen. Am wirtschaftlichen Erfolg der großen Kreditkartenanbieter hat die neue Konkurrenz bislang jedoch nichts geändert, wie die jüngsten Zahlen der weltweit führenden Plastikkartenvertreiber belegen.

Seite 1 von 173