Wirtschaft

Die Entscheidung lässt noch immer auf sich warten. Deutschlands zweitgrößter Erstversicherer Generali tut sich sichtbar schwer damit, seine 4 Mio. Lebensversicherungspolicen in den Run-Off zu schicken. Seit dem Bekanntwerden des LV-Verkaufs Ende September 2017 sind nunmehr neun Monate vergangen. Das Management prüft derzeit sowohl interne wie auch externe Abwicklungsmöglichkeiten, heißt es. Im März hatte Generali Deutschland-Chef Giovanni Liverani noch einmal betont, noch vor dem Sommer eine Lösung präsentieren zu wollen. Warum bis zum gestrigen kalendarischen Sommeranfang immer noch nichts passiert ist, erklärt uns ein Sprecher so: Ein Run-Off sei sehr kompliziert, eine Entscheidung deshalb noch nicht gefallen. Ursprünglich sollte die betroffene Konzerneinheit Generali Leben schon im ersten Quartal dieses Jahres in den Run-Off gehen.

Sportlich konnte sich China nicht für die Fußball WM in Russland qualifizieren. Finanziell hingegen schon. Vier wichtige Sponsoren kommen aus dem Reich der Mitte. Größter von ihnen ist Hisense. Bereits bei der EM in Frankreich 2016 machte sich der Staatskonzern einem breiten Publikum bekannt. Für die FIFA füllt er nun die Lücke, die westliche Partner gelassen hatten, als sie auf Grund diverser Korruptionsskandale absprangen.

Für Dr. Oetker bricht eine neue Zeit an. Albert Christmann, der erste familienfremde Konzernlenker soll den Entschluss seines Vorgängers, Richard Oetker, sich nach 80 Jahren von der Schifffahrt zu trennen, strategisch vergolden. Einen Plan dafür hat Christmann schon.

Schon im April musste die Ceconomy-Tochter Media-Saturn eingestehen, dass der kalte Gegenwind aus Russland nicht ohne größere Blessuren wegzustecken sein würde (s. PLATOW v. 16.4.). Für Ceconomy-Chef Pieter Haas war der Moment gekommen, die Reißleine zu ziehen. Nun zeigen die Exit-Pläne für das russische Retailgeschäft, welche konkreten Folgen für die Bilanz anstehen. Sollte die Rückzug-Strategie gelingen, wird das Nettoergebnis der Ceconomy-Bilanz im laufenden Gj. mit einem niedrigen dreistelligen Millionenbetrag belastet werden. Die operativen Verluste des Russland-Geschäfts wären dann aber voll eliminiert, heißt es aus Düsseldorf.

Der Markt der neuen betrieblichen Altervorsorge (bAV) ist um ein weiteres Angebot reicher. Nein, nicht etwa Branchenprimus Allianz hat endlich die Hosen runter gelassen, sondern wie von uns im PLATOW Brief v. 23.5. angekündigt hat die Talanx-Tochter HDI ihr neues Sozialpartnermodell vorgestellt. In spätestens zwei Monaten will die Gesellschaft zusammen mit der Zurich Versicherung das Produkt mit dem Markennamen „Die Deutsche Betriebsrente“ bei Gewerkschaften und Unternehmen bewerben. Im vergangenen Jahr wollte HDI noch alleine in den Markt gehen. Dass nun ein Konsortium mit der Zurich erste Wahl ist, liege daran, dass die Tarifparteien „maximale Verlässlichkeit“ wünschen, wie uns Fabian von Löbbecke, CEO der Talanx Pensionsmanagement AG und bAV-Experte bei HDI, im Gespräch sagte.

Mit neuen Finanzzielen will sich das weltweit zweitgrößte Baustoffunternehmen, Heidelberg Cement, neu ausrichten. Gleich ein ganzes Paket an Maßnahmen kündigte Finanzvorstand Lorenz Näger anlässlich des Kapitalmarkttages in Bergamo, dem Sitz des übernommenen und mittlerweile integrierten italienischen Baumittelherstellers Italcementi, an. Ausgerechnet von dort aus gelobt das Konzernmanagement nun Besserung für den weiteren Geschäftsverlauf, der bislang aus Sicht des Aktienkurses bei Anlegern seit Anfang 2017 keine Freudensprünge mehr bereitete. Lt. Vorstandschef Bernd Scheifele soll Italcementi das Unternehmenswachstum jüngst vorangetrieben haben. Mit der neuen Positionierung will das Heidelberger Unternehmen nun vom aktuellen Konjunkturzyklus profitieren. Zwar sind in den kommenden Jahren keine weiteren großen Übernahmen vorgesehen, Zukäufe sollen aber künftig weitgehend aus Verkaufserlösen gestemmt werden.

Die Debatte um den Ausbau schnellen Internets ist hierzulande so lang wie leidig. Für zusätzliche Ernüchterung sorgte am Dienstag die Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine kleine Anfrage der Grünen, wonach bislang nur ein Bruchteil der seit 2015 genehmigten Bundesfördermittel abgeflossen ist. In Summe wurden demnach bis Ende Mai nur 26,6 Mio. der bereitgestellten 3,5 Mrd. Euro abgebucht, erklärte Verkehrsstaatssekretär Steffen Bilger auf die Oppositions-Frage. 

Spät aber doch: Auch dieses Jahr versammeln sich wieder Digital-Affine, Technologie-Vernarrte und disruptiv Querdenkende in Hannover zur alljährlichen CEBIT (11.-15.6.). Dass die Messe dieses Jahr erstmals im Juni anstatt wie bisher immer im März stattfindet, ist aber kein Zufall, sondern Teil der neuen Aufmachung des über 30-jährigen Events. Traditionelle Messen waren wohl gestern, heute wird die Veranstaltung als „Business-Festival" präsentiert. So sollen die klassischen Messestände von Unternehmen der Digitalindustrie mit Konzerten unter freiem Himmel aufgepeppt werden. Ob nach dem obligatorischen Testen einer Virtual-Reality-Brille allerdings die Aussicht auf Livemusik die Besucherzahlen, die mittlerweile auf rd. 200 000 eingebrochenen sind (2001: 830 000), wieder zum Steigen bringt, muss sich erst noch zeigen.

Seite 1 von 178