Ausverkauf bei Thomas Cook

Der britische Reisekonzern stellt sein komplettes Fluggeschäft ins Schaufenster. Der britische Reisekonzern stellt sein komplettes Fluggeschäft ins Schaufenster.
© Thomas Cook
(08.02.2019)

Und wieder schwappt die Konsolidierungswelle über den europäischen Markt. Diesmal nicht aus Insolvenzgründen, sondern aus strategischem Kalkül. Der britische Reisekonzern Thomas Cook überrascht bei Vorlage der saisonal schwachen Q1-Zahlen (Gewinn: -60 Mio. Pfund) mit der Ankündigung, das Airline-Geschäft verkaufen zu wollen. Noch seien im frühen Prozess mehrere Optionen möglich, erklärt CEO Peter Fankhauser.

Ein Komplettverkauf der fünf Airline-Töchter (darunter Condor) mit insgesamt 103 Fliegern wäre aber die eleganteste Lösung im Rahmen von Fankhausers Strategieschwenk, nach einem harten Jahr, das mehrere Gewinnwarnungen und einen heftigen Gewinneinbruch brachte. Da das Buchungsgeschäft immer mehr von schwer kalkulierbaren Last-Minute-Reisenden dominiert wird und dem britischen Konzern der Brexit im Nacken sitzt, will Fankhauser die Hotelsparte als Kerngeschäft hochziehen. Dazu braucht er das nötige Kapital, und noch ist das Airline-Geschäft die profitabelste Sparte, konnte 2018 als einziges Segment wachsen. Fankhauser braucht mehrere Abnehmer, ein Verkauf als Ganzes lässt der konzentrierte Wettbewerb kaum zu.

Käufer zu finden, dürfte nicht schwer werden. Die Slots, vor allem die Condor-Langstrecken-Slots vom Knotenpunkt Frankfurt aus, sind lukrativ. Und auch wenn sich Platzhirsch Lufthansa gewohnt bedeckt hält, fällt der Name Carsten Spohr im Bietgefecht selten grundlos. So ist aus Branchenkreisen zu hören, dass der Kranich bereits bei Condor angeklopft habe, um die Expansion von Eurowings voranzutreiben. Einzig die im Schnitt über 20 Jahre alte Condor-Flotte könnte Interessenten zögern lassen. Die Wartung ist teuer, die Flieger müssen eher früher als später ausgetauscht werden. Dass sich Spohr das ganze Europageschäft schnappt, dürften Kartellbehörden verhindern. Diese Chance könnte Michael O‘Leary wittern, hat seine Ryanair doch gerade erst eine übernahmefreundlichere Konzernstruktur verabschiedet. Selbst Reise-Rivale TUI, der gerade die Nachwehen einer Gewinnwarnung wegsteckt (s. PLATOW Börse), kommt in Betracht, betonte TUI doch, die Ferienflieger-Tochter Tuifly weiter ausbauen zu wollen.