Baumot rüstet sich profitabel

Noch in diesem Jahr sollen erste Diesel-Modelle mit dem Baumot-System nachgerüstet werden. Noch in diesem Jahr sollen erste Diesel-Modelle mit dem Baumot-System nachgerüstet werden.
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(05.02.2019)

Lange wehrten sich die Beteiligten am Diesel-Skandal gegen Hardware-Nachrüstungen, doch inzwischen gibt es grünes Licht für die Systeme. Erste Hersteller wie Daimler haben sogar den Einbau für ihre Modelle genehmigt. Für die Baumot Group, die einen solchen Filter für Stickoxide (NOx) entwickelt hat, sind das hervorragende Nachrichten. Vor wenigen Tagen habe der Konzern die Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) für seinen Generator – das Herzstück der Nachrüstung – beantragt, sagt Vorstand Stefan Beinkämper am Donnerstag (31.1.) in Frankfurt vor Journalisten.

Jetzt beginne die Vorserien- und Serienproduktion, damit auf der HV im Sommer das erste Auto mit ABE und Zulassung präsentiert werden kann. Bis Jahresende sollen erste Modelle in den Markt gehen, die große Welle erwartet Beinkämper dann für 2020. Baumot hat bei der Nachrüstung volumenstarke Pkw und leichte Nutzfahrzeuge der Abgasnorm Euro 4 und Euro 5 im Visier. Das Marktpotenzial beziffert Beinkämper mit 1,38 Mio. Fahrzeugen, wobei die Einbaukosten für Handwerker bei ca. 4 000 Euro und für den Pkw-Endkunden bei etwa 2 000 Euro liegen. Zuschüsse von Bund und Herstellern decken diese Beträge ab.
Diese Nachrüstung soll über die nächsten vier Jahre einen „soliden neunstelligen“ Umsatzbeitrag bringen. In der Vergangenheit hatte Baumot mit schrumpfenden Stammmärkten zu kämpfen, die Gewinnschwelle rückte in weite Ferne. Auf PLATOW-Nachfrage lässt CEO Stefan Hausser die Katze aus dem Sack: Bis 2020 soll das Unternehmen profitabel werden. Nachdem in den vergangenen sechs Wochen mehr Aufträge generiert werden konnten als im vergangenen halben Jahr, seien die Orderbücher voll. Für die Zeit nach der Nachrüstungswelle in rd. vier Jahren fehlen konkrete Pläne allerdings. Neben der Hoffnung, dass nach Europa die Diesel-Fahrer weltweit das System nutzen werden, hat Hausser auch die Themen Hybridisierung und Elektrifizierung auf dem Schirm.

Auch wenn zunächst natürlich die Auslieferung der Generatoren im Fokus steht, sieht ein überzeugender langfristiger Zukunftsplan anders aus. Vielleicht auch ein Grund, weshalb die volatile Aktie (1,79 Euro; DE000A2G8Y89) die 10%-Kursgewinne vom Donnerstag nicht halten konnte. Für die kurze bis mittlere Sicht ist das Papier aber durchaus spannend. Gelingt es dem Konzern, das avisierte Umsatzvolumen zu generieren und 2020 die Gewinnzone zu erreichen, werden sich die Aktionäre freuen.