Dt. Familienversicherung setzt sich mit IPO unter Druck

Dt. Familienversicherung setzt sich mit IPO unter Druck
©DFV
(03.12.2018)

In ungemütlichen Börsenzeiten wagt die Deutsche Familienversicherung (DFV) nun endgültig den Sprung aufs Börsenparkett, nachdem Anfang November der erste Versuch scheiterte (s. PLATOW v. 15.10.). Wenn am morgigen Dienstag (4.12.) das erst 2007 gegründete Insurtech im Prime Standard der Frankfurter Börse erstmals gehandelt wird, werden neben dem im März neu aufgestellten Vorstand mit Gründer Stefan Knoll an der Spitze auch der Aufsichtsrat sowie die gesamte Belegschaft mit etwa 100 Mitarbeitern vor Ort sein. Der Unternehmenssitz liegt nur einen Steinwurf entfernt von der Börse.

Wenn nichts „weltbewegendes“ im Konflikt Russland/Ukraine sowie im Handelsstreit USA/China passiere, so ein DFV-Sprecher optimistisch, sollte die Erstnotiz der DFV-Aktie nicht unter zwölf Euro liegen. Die DFV hat nach deutlichen Abstrichen beim Preis im zweiten Anlauf und inkl. Platzierungsreserve nach letzten Informationen 4,37 Mio. Aktien zu je zwölf Euro untergebracht. Damit fließen gut 52 Mio. Euro in die Kassen der Frankfurter. Der Freefloat liegt bei 17%. Mit dem Börsengang setzt sich die DFV gleich doppelt unter Druck.

Neben der regelmäßigen Kundenpflege und -akquise muss das Management künftig auch die Aktionäre bedienen. Allein die VPV Lebensversicherung hat sich für 25 Mio. Euro DFV-Aktien gesichert und hält damit 15,6% an der Gesellschaft. Wie bereits berichtet, will DFV-Lenker Knoll das Geld aus dem Börsengang zur Finanzierung des Wachstums verwenden. In diesem Jahr wird der Versicherer nach eigenen Angaben bei den Beitragseinnahmen voraussichtlich um über 4% auf 75 Mio. Euro ggü. dem Vj. wachsen. Die Grundlage dafür sind über 450 000 (2017: 420 000) Policen, die der Versicherer nach unseren Informationen per Jahresende erreichen wird. Erste Nagelprobe für den Aktienkurs werden die 2018er-Hj.-Zahlen. Diese legt die Deutsche Familienversicherung just am Tag des Börsendebüts vor. Fortan muss die Gesellschaft dann quartalsweise berichten. Langfristig entscheidend wird aber die Neuausrichtung und Strategie des voll digitalisierten Versicherers sein. Sich dabei wie bisher hauptsächlich auf Kranken- und Pflege-Zusatzversicherungen zu konzentrieren, wird den Aktionären auf Dauer nicht gefallen. Zudem muss Vormann Knoll die Wachstumsraten bei Kundenbestand, Anzahl der Policen und Prämieneinnahmen deutlich erhöhen.