Solvency II – Was sich zwei Jahre nach Einführung verändern muss

In Berlin schauen die Teilnehmer des GDV-Treffens ganz genau auf den Review-Prozess von Solvency II. In Berlin schauen die Teilnehmer des GDV-Treffens ganz genau auf den Review-Prozess von Solvency II.
© GDV
(18.10.2018)

Gut zwei Jahre nach dem Start von Solvency II stehen wichtige Elemente des Aufsichtssystems auf dem Prüfstand. Darüber diskutiert die Versicherungswirtschaft auf Einladung des Branchenverbands GDV am Donnerstag (18.10.) in Berlin. Im Mittelpunkt steht der Review-Prozess. Solvency II ist ein europäisches Regelwerk, das bei der EU-Kommission einen hohen Stellenwert hat, wie EU-Vizepräsident Valdis Dombrovskis immer wieder betont.

Der Finanzkommissar gilt als strenger Gegner von Deregulierung. Eine solche steht im politischen Berlin zwar auch nicht zur Debatte, einige Veränderungen bei Solvency II aber schon. „Wir werden aktiv angehen, dass das Proportionalitätsprinzip für kleine und mittlere Versicherungsunternehmen deutlich stärker in den Fokus gerückt wird“, sagte uns Carsten Brodesser, Mitglied der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und des Finanzausschusses. Damit sei jedoch nicht eine Reduzierung der Aufsichtstätigkeit, sondern eine Fokussierung auf wichtige Fälle gemeint. Er wolle regelmäßig darauf achten, dass kleinere Gesellschaften nicht über das Solvency II- und HGB-Regelwerk hinausgehende umfangreiche Berichte an die Versicherungsaufsicht abliefern müssen.Auch wäre aus seiner Sicht die Beitragsschwelle in Höhe von derzeit 5 Mio. Euro, ab der eine Solvency II-Regulierung überhaupt beginnt, kritisch zu hinterfragen. Aus der Bundestagsfraktion der Grünen hören wir vom Finanzexperten Gerhard Schick, dass die Versicherer in Zukunft ihre Kapitalanforderungen in stärkerem Maße mit echtem Eigenkapital erfüllen. Es müsse zudem sichergestellt werden, dass die Zahlen die Wirklichkeit möglichst genau und aktuell widerspiegeln.

Verbesserungsbedarf sieht auch Immo Querner, Vorstand bei der Talanx. Unter dem Titel „Mehr Realismus wagen“ hält der Manager am Donnerstag seine Keynote. Im Hinblick auf die Lebensversicherung, so Querner, könnten Versicherungen mit illiquiden Verbindlichkeiten und damit auch Vermögensanlagen besser und weniger risikobelastend umgehen als das derzeit in den Regularien berücksichtigt sei. Er wünscht sich eine maßvolle Regulierung, die sich zunächst weiter auf die gesetzlichen Überprüfungsnotwendigkeiten beschränkt. Aus Querners Sicht wäre es gut, noch weitere Zeit ins Land gehen zu lassen, um das System stabil zu halten.