Modebranche näht wieder in Europa

Der Faktor Zeit treibt immer mehr Modeschöpfer dazu an, ihre Produktion näher an den Endkunden zu rücken. Der Faktor Zeit treibt immer mehr Modeschöpfer dazu an, ihre Produktion näher an den Endkunden zu rücken.
© H&M Group
(17.10.2018)

Das Erfolgsrezept von Fast-Fashionists wie H&M, Zara oder Primark ruhte lange auf einer billigen Produktion in Fernost. Made in Bangladesch, China, Vietnam oder Taiwan ist so zum Sinnbild für die preisgünstigen Mode-Ikonen des Westens geworden. Doch damit ist nun Schluss. Immer mehr Modeschöpfer produzieren inzwischen wieder stärker in Europa, wie aus einer aktuellen McKinsey-Studie hervorgeht. Grund für die Rückverlagerung ist die Schnelllebigkeit der Modetrends, die von den kreativen Köpfen der Fashion-Industrie rasches Umschwenken verlangt.

Begünstigt wird die neue Europa-Offensive von den günstigen Konditionen, zu denen es sich inzwischen etwa in der Türkei produzieren lässt. Inklusive Transport- und Einfuhrgebühren kostet das Nähen einer Jeans am Bosporus 3% weniger als in China, erklärt McKinsey-Experte Karl-Hendrik Magnus. Automatisierte Prozesse machen es möglich. Der wettbewerbsfähige Preis ist jedoch nur ein sekundärer Anreiz. Wichtiger ist der Faktor Zeit, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Beispiele wie das des schwedischen Exportschlagers H&M haben gezeigt, was lange Lieferzeiten in der heute auf Agilität drängenden Modebranche anrichten können. Während der Persson-Clan an der Asien-Strategie eisern festhielt und dafür gerade u. a. die Quittung erhält, rückte der spanische Rivale Inditex die Produktion für Zara, Bull&Bear oder Bershka schon früh näher an den Endmarkt. So können die Spanier auf Marktentwicklungen wie floppende Kollektionen schneller reagieren und finanzielle Einbußen und Image-Schäden besser begrenzen.

Hübscher Nebeneffekt der Produktionswende: Die Unternehmen polieren ihre Nachhaltigkeitsbilanz auf und nehmen ihren seit Jahren auf bessere Arbeitsbedingungen in den asiatischen Fabriken pochenden Kritiker so den Wind aus den Segeln.