Easyjet – Air Berlin-Übernahme souverän gemeistert

Während die Konkurrenz deutliche Turbulenzen spürt, steckt der britische Low Coster den Chaos-Sommer gut weg. Während die Konkurrenz deutliche Turbulenzen spürt, steckt der britische Low Coster den Chaos-Sommer gut weg.
© easyJet
(05.10.2018)

Streiks, Insolvenzen, verpatzte Flugpläne und Verspätungen – seit der Pleite von Air Berlin ist das Marktumfeld für Europas Luftfahrt rauer geworden. Ausgerechnet die Dickschiffe Lufthansa und Ryanair, die sich beide lukrative Filetstücke schnappten, haben sich verschluckt. Ryanairs neue Tochter Laudamotion, Nachfolger der Air Berlin-Tochter Niki, dürfte im Gj. 150 Mio. Euro Verlust einfliegen und wird, da die Flotte großteils von Ryanair-Personal betrieben wird, zum Kollateralschaden des lodernden Tarifstreits. Der Kranich hingegen hat die Integration der über 70 Berliner Flieger zeitlich verpatzt und zum sommerlichen Flugchaos beigetragen. Deutlich souveräner hat sich Low Coster Easyjet geschlagen, der 25 Air Berlin-Flieger übernommen hat, die hauptsächlich von Berlin Tegel aus abheben.

Wie es aus der Londoner City nun fröhlich heißt, haben die Briten im abgelaufenen Gj. (per 30.9.) Dank der neuen Flotte ein dickes Passagierplus von über 10% auf 88,45 Mio. Fluggäste eingefahren.

Damit kann der seit Dezember amtierende Airlinechef Johan Lundgen zwar punkten, Zeit zum Ausruhen bleibt ihm aber nicht. Für das abgelaufene Gj. hatte Lundgren bereits „Anlaufverluste“ in Höhe von 115 Mio. britische Pfund am neuen wichtigen deutschen Standort angekündigt. Der Low Coster sieht sich damit aber voll auf Kurs. Dieses Gj. schon will der Ryanair-Rivale sein Flugangebot um 10% aufstocken und am Standort Tegel den bilanziellen Turnaround schaffen.

Bis dahin muss sich Lundgren auf die andere Baustelle konzentrieren: Der ehemalige TUI-Manager hat das Steuer von Carolyn McCall zu einer Zeit übernommen, in der Easyjet die Weichen für die Zeit nach dem Brexit stellen muss. Doch auch hier ist der Low Coster fleißig. Um die Folgen möglichst abzufedern, hat das Management die Tochter „Easyjet Europe“ mit Sitz in Wien ins Leben gerufen und in Österreich ein „Air Operator Certificate“ beantragt. Damit kann Easyjet weiterhin innereuropäische Flüge durchführen und den ersten Schock eines harten Brexit im Fall der Fälle abfedern.