Deutsche Post – Gerdes‘ Versäumnisse lasten schwer

In Bonn residiert die Deutsche Post In Bonn residiert die Deutsche Post
©Deutsche Post AG
(08.08.2018)

Mit ihrer Ad hoc erschütterte die Deutsche Post im Juni den Kapitalmarkt. Fast eine Milliarde Euro weniger Ertrag soll es 2018 geben, lautete die bittere Pille, die Konzernchef Frank Appel den Investoren damals verabreichen musste (s. PLATOW v. 11.6.). Völlig aus dem Ruder gelaufene Kosten in der Brief- und Paketsparte (PeP) sind der Grund, dass Deutschlands gelber Riese ertragsseitig kräftig strauchelt. Sogar die Trennung von Vorstand Jürgen Gerdes, der mit seinem Aktionismus die Kernsparte der Post über Jahre in diese Misere geritten hatte, konnte den massiven Ertragseinsturz bei PeP nicht mehr abfedern.

So pulverisierten die hohen Fixkosten auch im Q2 die Erträge des Brief- und Paketgeschäfts (-58,5%). Wie erwartet, kommt Gerdes‘ Kurzsichtigkeit den Logistiker nun teuer zu stehen. Das EBIT brach zwischen März und Juni gruppenweit um 11,2% auf 747 Mio. Euro, der Gewinn sogar um 14,3% auf 516 Mio. Euro ein. Nur beim Umsatz (15 Mrd. Euro) blitzt ein kleines Plus von 1,4% aus der Post-Bilanz.

Mit umfangreichen Restrukturierungen tritt CEO Appel dem Schlamassel beim DAX-Konzern jetzt entgegen. Doch die Spitze des Eisbergs ist bislang noch nicht erreicht. Nur 51 Mio. der dafür eingeplanten 500 Mio. Euro konnten im Q2 gebildet werden. Der dicke Batzen folgt erst in der zweiten Jahreshälfte mit entsprechenden Auswirkungen auf die Gruppenzahlen, räumt CFO Melanie Kreis ein. Dennoch stimmen die positive Entwicklung der DHL-Bereiche – insbesondere bei Express, der im Q2 eine neue Rekord-EBIT-Marge von 12,8% verbuchte – und das Anlaufen der Einsparmaßnahmen die Post-Führung optimistisch, die ausgegebenen Ziele für 2018 (EBIT: 3,2 Mrd. Euro) und 2020 (EBIT: > 5 Mrd. Euro) erreichen zu können. „Die Big-Yellow-Maschine läuft weiter“, versichert die Finanzfrau. Marktanteilsgewinne von PeP müssten nur noch beim EBIT ankommen. Das ist leichter gesagt, als getan. Doch zumindest vorübergehend genießen Appel und sie den Rückhalt der Märkte. Trotz gravierenderer Einbußen als von Analysten zunächst erwartet, honorierten diese die Zahlen mit leichten Kursgewinnen.