Braunschweigische Landessparkasse - Bloß kein „zweites Berlin“

Braunschweigische Landessparkasse - Bloß kein „zweites Berlin“
© Nord/LB
(07.08.2018)

Es klingt wie eine Provinz-Posse. In Braunschweig geht die Angst vor einem „zweiten Berlin" um. Nachdem die Bankenaufsicht den Druck auf die Nord/LB massiv erhöht hat, die Vorsorge für ihre Schiffskredite kräftig aufzustocken, werden die Eigenkapitalnöte der Hannoveraner immer drängender. Das Land Niedersachsen als größter Anteilseigner der Nord/LB ist zwar bereit, zusätzliches Eigenkapital nachzuschießen, stößt damit aber auf Widerstand in Brüssel. Um die EU-Kommission zu besänftigen, will die Nord/LB künftig auch private Investoren in ihren Eigentümerkreis aufnehmen. Eine Aussicht, die in der Braunschweiger Kommunalpolitik für reichlich Aufregung sorgt.

In Braunschweig wird denn auch befürchtet, dass damit die privaten Investoren auch Einfluss auf die Geschäftspolitik der Braunschweigischen Landessparkasse, die zu 100% der Nord/LB gehört, nehmen könnten. Forderungen nach einer Abtrennung der Landessparkasse von der Nord/LB machen bereits die Runde. Die Braunschweiger Sorgen rühren indes an einem tief sitzenden Trauma der Sparkassen-Organisation. Nur wenige Monate vor dem Ausbruch der weltweiten Finanzkrise startete der Berliner Senat im Frühjahr 2007 ein öffentliches Bieterverfahren zum Verkauf der Landesbank Berlin, dem Nachfolgeinstitut der von einem Immobilien- und Parteienfinanzierungsskandal schwer gebeutelten Bankgesellschaft Berlin.

Um die im Gefolge des Berliner Bankenskandals tief in die Verlustzone abgerutschte Bankgesellschaft vor dem drohenden Untergang zu retten, sah sich der Senat bereits im Herbst 2001 genötigt, das Institut mit einer Milliarden-Finanzspritze über Wasser zu halten. Im Gegenzug für die staatliche Beihilfe verlangte die EU-Kommission ein Auktionsverfahren zum Verkauf der Landesbank Berlin, an dem sich auch private Investoren beteiligen dürfen. Zur Landesbank Berlin gehörte indes auch die Berliner Sparkasse.

In der Sparkassen-Organisation herrschte Alarmstimmung. Drohte doch die akute Gefahr, dass erstmals eine Sparkasse in die Hände angelsächsischer Finanzinvestoren fallen könnte, die damit womöglich auch Zugriff auf das rote Sparkassen-Logo bekämen. Sogar von einem „weißen Fleck" auf der Sparkassen-Landkarte, noch dazu ausgerechnet in der Bundeshauptstadt, war damals die Rede. Der damalige DSGV-Präsident Heinrich Haasis startete daraufhin eine Sammelaktion bei den Sparkassen, um die Landesbank Berlin für 5,3 Mrd. Euro in den Schoß der Sparkassen-Familie zurückzuholen. Für die Sparkassen war der Rückkauf ein finanzielles Desaster, da die Landesbank Berlin in der Finanzkrise massiv an Wert einbüßte.