Facebook – Der Datenkrake saugt nicht mehr so stark

Genauer unter die Lupe genommen: Die Aktie von Facebook Genauer unter die Lupe genommen: Die Aktie von Facebook
© Alexander Klaus www.pixelio.de
(02.08.2018)

Der 26.7. war ein schwieriger Tag für Mark Zuckerberg. Die Facebook-Aktie verlor nach Vorlage der Quartalszahlen fast ein Fünftel an Wert. Mehr als 100 Mrd. US-Dollar an Marktwert gingen verloren, weil Anleger sich um die Wachstumsaussichten der Kalifornier Sorgen machten. Doch ist dieser Kurseinbruch wirklich gerechtfertigt? PLATOW hat sich das Zahlenwerk genauer angesehen.

Der Datenklau durch Cambridge Analytica und die Folgen der europäischen Datenschutzgrundverordnung haben das Zahlenwerk und die Aussichten von Facebook schwer durchgerüttelt. Umsatz und Werbeeinnahmen stiegen im Q2 zwar noch um satte 42% auf 13,2 Mrd. bzw. 13,0 Mrd. US-Dollar, doch die Zahl der aktiven Nutzer stagniert in Nordamerika und ging in Europa von 282 Mio. auf 279 Mio. Menschen zurück. Mit weltweit 2,234 Mrd. Facebook-Freunden ist zwar weiterhin in etwa jeder dritte Erdenbürger im sozialen Netzwerk von Mark Zuckerberg unterwegs. Doch darunter sind anteilig immer weniger werbeträchtige Umsatzbringer aus Nordamerika und Europa, die bislang für 72% der Erlöse stehen.

Zusammen mit den erhöhten Ausgaben für die Datensicherheit nagt das am Gewinn: Der stieg um 31% auf 5,1 Mrd. Dollar, wodurch sich die Marge mit 39% erstmals seit dem Jahr 2015 wieder unter die 40%-Marke verschlechterte. Hinzu kommt der in ungewohnten Moll-Tönen gelieferte Ausblick. Finanzchef David M. Wehner geht davon aus, dass der Umsatz im Q3 und Q4 gegenüber dem jeweiligen Vorquartal weiter zurückgehen werde. In der Telefonkonferenz kündigte er zudem an, dass die operative Marge in den kommenden Jahren weiter in den mittleren 30%-Bereich zurückfallen werde. Nach unseren Berechnungen sinkt sie bis 2020 auf etwa 33%.

Klar verdient die im Februar 2004 gegründete Muttergesellschaft von Instagram und WhatsApp weiter unfassbar viel Geld mit ihren Datendiensten. Doch sie muss auch zunehmend Geld investieren, um die Nutzer davon zu überzeugen, dass deren Datenschatz bei Facebook sicher ist. Die Aktie (171,39 Dollar; US30303M1027) verlor nach Bekanntwerden der Zahlen fast 20% und büßte damit fast 125 Mrd. Dollar an Marktwert ein. Mit einem 2019er-KGV von 21 ist sie angesichts ihres Wachstumspotenzials zwar nicht exorbitant teuer; aber dieses Potenzial muss in den nächsten Quartalen auch bewiesen werden. Die nächste Gelegenheit dazu werden die Q3-Zahlen bieten, die am 30.10. vorgelegt werden. Genug Zeit also, um die Entwicklung der nächsten Wochen in Ruhe abzuwarten.

Unsere aktuelle Einschätzung zu Facebook lesen Sie in der PLATOW Börse vom 1.8.2018.