Akasol – Von der Uni an die Börse

Ende Juni war es soweit: Vorstandschef Sven Schulz (mit Glocke) feiert den Börsengang von Akasol Ende Juni war es soweit: Vorstandschef Sven Schulz (mit Glocke) feiert den Börsengang von Akasol
© Akasol AG
(06.07.2018)

Der Börsengang des Batteriesytemeherstellers Akasol am vergangenen Freitag (29.6.) – der 13. in diesem Jahr – war überaus erfolgreich. Inklusive Greenshoe wurden gut 2,4 Mio. Papiere zu einem Angebotspreis von 48,50 Euro platziert – und damit am unteren Ende der von 48,50 bis 64,50 Euro festgesetzten Preisspanne (vgl. PB v. 18.6.).

Die Aktie (53,90 Euro; DE000A2JNWZ9) startete dann bei 48,80 Euro. Das IPO war mehrfach überzeichnet, Privatanlegern wurden rd. 5,7% des Platzierungsvolumens zugeteilt. CEO Sven Schulz freute sich über das rege Interesse der Anleger und v. a. darüber, dass er viele langfris-tig orientierte Investoren ins Boot holen konnte.

Denn das war das Ziel des Börsengangs, mit dem weiteres Wachstum finanziert werden soll. Schulz will den Standort im hessischen Langen vollautomatisieren – ohne dabei Personal abzubauen. Aktuell produzieren die dortigen Anlagen jährlich 300 MWh, bis 2020 soll sich der Wert verdoppeln. Auch der Eintritt in den US-Markt mit einem eigenen Batteriewerk in Michigan steht auf der Agenda der Darmstädter. Im Vorfeld des IPO habe der CEO bereits mit einigen Finanzinvestoren gesprochen, wie er uns verrät. Dies sei allerdings nicht sehr fruchtbar gewesen. Sie hätten andere Vorstellungen gehabt, wollten viele Fabriken bauen, um zu wachsen. Dann aber hätte Akasol massive Abschreibungen in der Bilanz, sollte sich die Technologie verändern. Der Weg an die Börse war also der richtige Schritt, wie sich jetzt zeigt.

Die Zellen für die Hochleistungsbatteriesysteme, die im Nischenmarkt für Nutzfahrzeuge eingesetzt werden, bezieht Akasol v. a. von Partnern in Asien. In den eigenen Werken werden dann verschiedene Module hergestellt, von denen sich der Kunde passende aussuchen kann und sich nicht auf ein Produkt festlegen muss. Die Systeme haben eine Rechenleistung wie ein PC, kommunizieren mit dem Fahrzeug und werden laufend auf Leistung und Temperatur überwacht. Daher weist Akasol technologisches Know-how nicht nur im Bereich Antriebstechnik, sondern auch bei Software auf. Technologie wurde den Hessen dabei in die Wiege gelegt. Denn die Akasol-Geschichte begann 1990 als studentischer Verein der TU Darmstadt. 2008 wurde daraus dann eine kommerzielle GmbH. Der wissenschaftliche Zweig begleitet das Unternehmen noch immer – auch personell in Vorstand und Aufsichtsrat.

Die technologische Stärke und das Wachstum des Unternehmens müssen sich für Investoren letztlich aber auch in den Zahlen widerspiegeln. Im Q1 war dies bereits der Fall: Der Umsatz verdoppelte sich auf 4,5 Mio. Euro, das EBIT stieg von -239 000 auf +448 000 Euro. Angesichts des aktuellen Auftragsbestands von 1,45 Mrd. Euro sowie Optionen für Folgeaufträge sollte sich diese Entwicklung fortsetzen. Für das Gesamtjahr rechnet Schulz mit einem Umsatz von 22 Mio. bis 24 Mio. Euro und einer EBIT-Marge von 7%. Mittelfristig sollte das der Aktie weiteren Auftrieb verleihen, seit dem IPO legte sie bereits rund 11% zu. Kurzfristig sind aber Schwankungen denkbar, nicht jeder Börsengang in diesem Jahr schlug direkt ein (s. Tabelle). Zumal der Titel mit einem KGV von über 80 alles andere als günstig ist. Ab 2019 rechnen wir aber mit höheren Gewinnen und einer attraktiveren Bewertung.

Unsere aktuelle Einschätzung zur Aktie von Akasol lesen Sie in der PLATOW Börse vom 6. Juli 2018.