Lufthansa – „Über Konsolidierung spricht man nicht, man tut sie!“

Mit offenen Augen auf der Suche nach dem nächsten Übernahmeopfer: Oberkranich Carsten Spohr hat noch lange nicht genug. Mit offenen Augen auf der Suche nach dem nächsten Übernahmeopfer: Oberkranich Carsten Spohr hat noch lange nicht genug.
© Lufthansa AG
(16.03.2018)

Im vergangenen Jahr spielte die Deutsche Lufthansa eine der Hauptrollen im Drama um die Insolvenz von Air Berlin und deren Tochter Niki. Ein Übernahmekampf, den Lufthansa-Chef Carsten Spohr in Nachgang auf der Bilanz-PK als „deutlich komplizierter als erwartet“ resümierte. Dennoch wird der Manager auch künftig Übernahmen nicht scheuen.

Der Ausleseprozess sei auch 2018 noch nicht vorbei. In die Karten ließ sich Spohr nicht blicken, doch sein selbstbewusstes Statement „Über Konsolidierung spricht man nicht, man tut sie!“ war eine klare Ansage an die Branche. Noch schwebt die italienische Alitalia als potenzieller Übernahmekandidat im Raum. Ohne eine notwendige Restrukturierung bleibe die Airline jedoch derzeit uninteressant. Bei Air Berlin ging der Kranich trotzt Stolpersteinen der europäischen Wettbewerbshüter als Gewinner hervor. Insgesamt habe sich Lufthansa 77 der einst 144 Air Berlin-Flieger und gut 20% der Slots einverleibt. Tendenz steigend, denn mit Niki Lauda, dem Neubesitzer von Niki, liefen die letzten Gespräche über ein Leasing von acht bis zehn Fliegern für Eurowings.

Entgegen der landläufigen Meinung ist vom positiven Air Berlin-Effekt noch nichts zu spüren gewesen. Zusatzkosten, wie etwa Flüge zwischen Berlin und Frankfurt mit dem Jumbo, der eingesetzt wurde, um die weggebrochenen Kapazitäten der Berliner abzufedern, haben den Umsatzgewinn durch höhere Ticketpreise relativiert. Dennoch flog Lufthansa 2017 Rekorde ein. Der Umsatz kletterte 12,4% auf 35,5 Mrd. Euro. Das bereinigte EBIT stieg um stolze 70% auf rd. 3 Mrd. Euro. 2018 rechnet Finanzchef Ulrik Svensson mit Blick auf die anziehenden Kerosinpreise mit einem leichten Ergebnisrückgang.

Von Erfolg gekrönt ist auch Eurowings. 2017 und damit ein Jahr früher als geplant, schrieb der Low Coster schwarze Zahlen (bereinigtes EBIT: 94 Mio. Euro). Das spornt an, am rasanten Expansionskurs festzuhalten. So steht der Kranich bereits in den Startlöchern, um sich weitere durch Insolvenzen freigewordene Slots zu sichern. Wenn es schon nicht durch Akquisitionen klappt, dann geht Spohr eben den offiziellen Dienstweg über die Slotkoordination des Dachverbandes IATA.