Chinas Exportschwäche stärkt deutsches Know-how

Chinas Exportschwäche stärkt deutsches Know-how
© Sybille und Kurt Mader, www.pixelio.de
(17.01.2017)

Auf schlechte Wirtschaftsdaten aus China hat sich der Westen schon längst eingestellt. So überraschen die am Freitag veröffentlichten Außenhandelsdaten kaum mehr jemanden. Nur die Hoffnung auf eine rasche Erholung des Wirtschaftswachstums im Reich der Mitte rückt in weite Ferne. Nach Angaben der Pekinger Zollbehörde fielen im Dezember (in US-Dollar gerechnet) die Ausfuhren unerwartet stark um 6,1% im Vergleich zum Vorjahresmonat. Das Außenhandelsvolumen insgesamt ging um 2,2% zurück.

Auf Jahressicht lag das Minus beim Handelsvolumen sogar bei 6,8%. Zusätzlich sorgt auch Chinas ausufernde Einkaufstour unter deutschen Politikern und Unternehmen für Unruhe. Europäer müssten genauso Mehrheitsbeteiligungen an Unternehmen in China erwerben dürfen wie Chinesen in Deutschland, kritisierte am vergangenen Dienstag BDI-Präsident Dieter Kempf bei Vorlage der Wirtschaftsprognose für Deutschland die Eingriffe der Pekinger Regierung.

Bei allen Risiken bieten die Übernahmen aber auch Chancen auf Wachstum und Entwicklung für die deutsche Wirtschaft, für die der BDI im laufenden Jahr ein Wachstum von 1,5% prognostiziert. Neben neuen Arbeitsplätzen, vor allem in der Hightech-Branche sowie Forschung und Entwicklung, würde auch frisches Kapital nach Deutschland fließen. Die Unternehmensberatung Ernst & Young geht von einem wachsenden chinesischen Beitrag zur Beschäftigung in Deutschland aus. Auch die Finanzindustrie ist nicht so ganz pessimistisch eingestellt. Wie wir hören, hatte vor kurzem Harald Staudinger, Geschäftsführer bei ASPOMA Asset Management in Linz, die Gelegenheit, mit einer österreichischen Wirtschaftsdelegation, sich einen Eindruck über die Dimension der chinesischen Seidenstraße-Initiative zu verschaffen. Für ihn steht außer Frage, dass das Projekt vielen Ländern und Unternehmen in China, Zentralasien und Europa enorme Vorteile bescheren werde. Zugleich könnte China die eigenen Überkapazitäten exportieren. Mit steigender Finanzkraft im Rücken, sollte die Initiative an Dynamik gewinnen. Der Silk Road Fund, ein chinesischer Staatsfonds, verfügt derzeit über 40 Mrd. US-Dollar. Die Asian Infrastructure Investment Bank, der 45 Mitglieder aus Asien und Europa angehören, hat 100 Mrd. Dollar zur Verfügung, die laut Staudinger über den Kredithebel schnell wie eine Billion Dollar wirken können.