Erst 2050 kommt die ganze Dimension von Riester zur Geltung

Ist der Anfang erstmal gemacht, kann sich Riester-Sparen im Alter lohnen. Ist der Anfang erstmal gemacht, kann sich Riester-Sparen im Alter lohnen.
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(13.01.2017)

Im vergangenen Sommer hat die Diskussion über Sinn und Unsinn der Riester-Rente ihren Höhepunkt erreicht. Kein Wunder, kam die aufflammende Debatte doch zu einer Zeit, in der die Reform der Betriebsrenten sich in einer entscheidenden Phase befand. Sogar der Namensgeber und ehemalige Bundesarbeitsminister Walter Riester (SPD) schaltete sich mit deutlichen Worten in die, wie er selbst sagte, „saudumme Debatte“ ein. Mittlerweile hat die Riester-Rente 15 Jahre auf dem Buckel.

Als „oft kritisiert, meist unterschätzt“ zieht Wolfram Erling, Leiter Zukunftsvorsorge bei Union Investment, ein durchaus treffendes Fazit und verweist auf 16,5 Mio. Verträge, was einer Quote von über 40% der Förderberechtigten entspricht. Dass Erling, der die Riester-Rente bei der genossenschaftlichen Fondsgesellschaft fast vom ersten Tag an begleitet, nur wenig Kritik zulässt, ist durchaus verständlich. Union Investment ist mit 1,8 Mio. Verträgen Marktführer (knapp 60% Marktanteil) beim Fonds-Riester.

Es ist aber auch wichtig und richtig, dass nach 15 Jahren ein solches Spar-Vehikel von der Politik auf den Prüfstand gestellt wird. Schließlich geht es um die private Altersvorsorge, wo der Staat alles daran setzt, die künftigen Rentenbezüge durch freiwillige Vorsorge aufzubessern. Noch dazu wird die Riester-Rente durch staatliche Zuschüsse gefördert. Daher ist das in der jüngsten Riester-Streitdebatte von vielen Produktgebern herbeigeführte Argument der Verunsicherung der Bürger unseres Erachtens lediglich als Schutzbehauptung zu werten. Eine Zielgruppe zeigt sich aber wenig verunsichert: Laut Union Investment ist Riester-Sparen vor allem bei Familien mit Kindern weit verbreitet. Eine aktuelle Untersuchung von Axel Börsch-Supan, einem Mitglied des Sachverständigenrates der Bundesregierung zur Riester-Rente, kommt zudem zu dem Schluss, dass die Riester-Rente im Jahr 2050 rund ein Viertel des Einkommens eines Standardrentners ausmachen wird. Diese Tatsache dürfte auch Riesters Nachfolgerin, der amtierenden Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD), nicht entgangen sein, die gerade damit beschäftigt ist, die neue Betriebsrentenreform in das Gesetzgebungsverfahren einzubringen.

Der Anstieg des Riester-Sparens ist in den letzten zwei Jahren vor allem auf Wohn-Riester und Fondssparpläne zurückzuführen, während die Zahl der Banksparpläne und Riester-Versicherungspolicen (größte Gruppe mit knapp 11 Mio. Verträgen) seitdem unter dem Strich sinkt.