Paydirekt – Auch bei den Kredit-Genossen ist Sand im Getriebe

DZ Bank-Vorstand Thomas Ullrich DZ Bank-Vorstand Thomas Ullrich
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(16.10.2015)

Die Einführung des Online-Bezahldienstes Paydirekt ist das wohl ehrgeizigste Gemeinschaftsprojekt der deutschen Kreditwirtschaft, mit dem Sparkassen, Genossenschaftsbanken und die privaten Banken die bisherige Vormachtstellung von PayPal brechen wollen. Für die drei Bankengruppen geht es dabei nicht zuletzt auch um das eigene Prestige, wie der verunglückte Versuch von DSGV-Präsident Georg Fahrenschon, die anderen Institutsgruppen zu einer Verschiebung des Starttermins auf das Frühjahr 2016 zu drängen, gezeigt hat. Da die Sparkassen erst spät auf den Zug aufgesprungen waren, hinken sie dem Zeitplan der privaten Banken und der Genossenschaftsbanken hinterher. Doch auch bei den Genossenschaftsbanken liefen die Vorbereitungen für den Marktstart von Paydirekt, der ab dem 8.11. erfolgen soll, zuletzt längst nicht so glatt wie bislang vermutet.

Wie aus einer uns vorliegenden E-Mail („persönlich/vertraulich") des für die IT zuständigen DZ Bank-Vorstands Thomas Ullrich vom 7.10. hervorgeht, funktioniert die Zusammenarbeit zwischen dem genossenschaftlichen IT-Dienstleister Fiducia GAD, den Pilotbanken sowie der DZ Bank keineswegs reibungslos. Mit Blick auf die Fiducia GAD zeigte sich Ullrich in der Mail „sehr irritiert über die Qualität der Leistungen und die intransparente, zum Teil sogar fehlende Kommunikation zu entscheidenden Sachverhalten". Die Aufschaltung der Pilotbanken habe sich verzögert und die Schwere der dabei aufgetretenen Fehler wurde sehr spät von der Fiducia GAD kommuniziert, beklagt Ullrich.

„Es entsteht der Eindruck, dass Paydirekt bei der Fiducia keine hohe Priorität hat", so der DZ Bank-Vorstand. Auch von Paydirekt-Mitarbeitern sei zu hören, so Ullrich, dass sie „einen derartigen Pilotstart von einem Verbund-Dienstleister nicht erwartet" hätten. Auf Grund der bisherigen Verzögerungen sei ein Endkundenpilot derzeit nicht vertretbar, da ansonsten ein „Reputationsschaden für Paydirekt" drohe, warnt Ullrich. Nach unseren Informationen sollen die von Ullrich angeprangerten Probleme mittlerweile jedoch behoben sein. Von den insgesamt 40 genossenschaftlichen Pilotbanken sollen bis zum heutigen Freitag (16.10.) 25 Institute auf die Paydirekt-Plattform aufgeschaltet sein, darunter alle zehn Pilotbanken aus dem Bereich der ehemaligen GAD. Die restlichen 15 Fiducia-Banken, bei denen auch noch andere IT-Funktionen getestet werden, sollen ab Anfang November folgen. Wie es heißt, sei zumindest für die 25 bereits angeschlossenen Pilotbanken der am 8.11. (GAD-Banken) und ab 11.11. (Fiducia-Banken) angestrebte Marktstart gesichert.