Deutschland – Beliebter Zielmarkt mit Abstrichen

Ausländische Investoren beobachten Deutschland ganz genau. Eine Investition hierzulande reizt gerade US-Amerikaner und Chinesen. Christof Kautzsch, Partner und Co-Head der europäischen und globalen Praxisgruppe Gesellschaftsrecht von Dentons, hat sich auf Transborder-Transaktionen spezialisiert. Er sieht die Rahmendaten für den M&A-Markt in 2015 positiv, wenngleich speziell für Deutschland die Energiewende ein Risiko darstellt.

 Herr Kautzsch, hat der M&A-Markt 2014 gehalten, was er versprochen hat?

Ja, wir haben große Transaktionen gesehen. Aber auch im Mid-Cap-Bereich läuft es gut, insbesondere das Interesse von ausländischen Investoren ist sehr zufriedenstellend. Wir sehen aber auch immer mehr Auslandsinvestitionen von deutschen Investoren mit Zukäufen im Ausland. Nach wie vor konzentriert sich der Markt stark auf die Branchen Gesundheit, Telekommunikation, Hightech und IT.

Gerade die Lage der Bankenfinanzierung sollte sich für den M&A-Markt auszahlen.

Die Finanzierung ist längst kein Transaktionshemmnis mehr. Es gibt eher ein Überangebot an Finanzierungsmöglichkeiten. Ist der Deal an sich seriös und auch seriös finanziert, dann ist der Zugang zur Transaktionsfinanzierung deutlich einfacher, als er vor einigen Jahren noch war.

Warum ist die Verkäuferseite oft so zurückhaltend?

Nach wie vor fehlt vielen potenziellen Verkäufern die Phantasie für alternative Anlagemöglichkeiten. Gerade im mittelständischen Bereich entscheiden sich viele Unternehmer, nicht zu verkaufen, da sie schlicht keine geeigneten Anlagemöglichkeiten sehen und das Unternehmen dann lieber noch etwas halten. Dadurch werden Veräußerungprozesse verhindert. Bei der Preisfindung sind die Erwartungen der Verkäufer nach wie vor groß. Durch bestimmte Modelle wie beispielsweise Earn-out-Regelungen oder Vendor Loans versuchen die Parteien dann Gestaltungen zu finden, die dem Käufer entgegenkommt, wenn dieser schon bereit ist, einen hohen Preis zu zahlen. Zum Teil werden die Kaufpreise dann gestundet oder erfolgsabhängig ausgestaltet.

Welche Herausforderungen bestehen aktuell in der Vertragsgestaltung?

Das Thema Transaktionssicherheit ist nach wie vor sehr bedeutsam. Der Verkäufer will sichergehen, dass der Deal tatsächlich vollzogen wird und potenzielle Streitigkeiten nach dem Deal minimieren. Es besteht also Zurückhaltung, Garantien abzugeben oder sogar Kaufpreiseinbehalte zur Absicherung von Garantieverletzungen zu vereinbaren. Da haben die Verkäufer wieder größeres Selbstbewusstsein und treten, was diese Punkte anbelangt, sehr stark in den Verhandlungen auf. Ein ganz anderer klarer Trend ist die wachsende Bedeutung von Compliance. Mittelgroße Unternehmen oder Firmen aus anderen Ländern sind da längst nicht so weit wie Großunternehmen, so dass es im Rahmen der Transaktions-Due Diligence immer wichtiger wird, Compliance-Aspekte zu überprüfen, um Risiken für die Erwerber auszuschließen.

Wie beurteilen Sie die Rahmendaten für 2015?

Gerade in Bezug auf ausländische Investitionen auf dem deutschen Markt komme ich zu einem positiven Schluss. Wobei wir da gewisse Vorbehalte gerade in Bezug auf das Stichwort Energiewende hören. Dies bezieht sich speziell auf die Frage, wie sich die Energiekosten in Deutschland entwickeln. Das ist ein deutscher Sonderfall und trifft natürlich energieintensive Branchen schwerer. In der Tat ist dies ein erheblicher Standortnachteil, den wir uns da gerade einhandeln und der klar erkannt wird.

Dennoch ist Deutschland ein attraktiver Zielmarkt.

Speziell das Interesse ausländischer Investoren am deutschen Mittelstand sowohl aus China und den USA wächst. Da ist die Nachfrage größer als das Angebot. So gibt es beispielsweise nach wie vor relativ wenige Transaktionen mit chinesischer Beteiligung. Wir hoffen, dass vielleicht ein Trend in Gang kommt. Aber die deutschen Unternehmen sind weiterhin skeptisch. Sie warten derzeit ab, wie sich die Übernahmen der vergangenen Jahre auswirken.

Wie wirken sich die aktuellen Krisen aus?

Wir sehen weniger Transaktionen mit klarem Fokus auf Südeuropa. Es herrscht noch immer eine deutliche Unsicherheit, was die wirtschaftliche Entwicklung dieser Länder anbelangt. Was Investitionen in Osteuropa angeht, da muss man sehen, wie sich die Ukraine-Krise auswirkt. Russland ist im Moment schwierig. Da sehen wir einzelne Transaktionen, die nicht weiter verfolgt oder sogar rückabgewickelt werden sollen. Hier besteht Unsicherheit für das kommende Jahr. Je länger die Krise andauert, desto größer sind natürlich die Auswirkungen auf das M&A-Geschäft.

Christof Kautzsch ist Partner im Berliner Büro und Co-Head der europäischen und globalen Praxisgruppe Gesellschaftsrecht von Dentons. Die Kanzlei konzentriert sich in ihrer M&A-Praxis stark auf grenzüberschreitende Transaktionen. Dabei zielen die Berater nicht unbedingt nur auf die DAX-Konzerne, sondern insbesondere auch auf den größeren Mittelstand. Dieser Ansatz verlangt die umfassende Kenntnis des deutschen Marktes in Kombination mit internationaler Erfahrung. Für Dentons sieht Kautzsch die Entwicklung sehr positiv: „Unsere Marke steht u. a. für eine wahrhaftig globale Aufstellung, damit positionieren wir uns immer stärker am Markt. Gerade für Transborder-Transaktionen werden wir für die Mandanten immer interessanter."

 

 

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