Immobilien-Aktiengesellschaften treten kürzer

Die deutschen Immobilien-Aktiengesellschaften haben ihre Halbjahreszahlen präsentiert – der Markt teilt sich. Die IVG Immobilien, deren Zahlen wir Ihnen in der vergangenen Woche vorstellten, leidet noch unter der Expansionspolitik vorangegangener Boomphasen.

Unter dem damaligen Vorstandschef Wolfhard Leichnitz wurde die Verschuldung expansiv aufgebläht. Zudem waren die Konsequenzen der Megaentwicklung „The Squaire“ nicht nachhaltig durchdacht worden (s. PLATOW Immobilien vom 17.8.). Auch bei anderen Immo-AGs trennt sich die Spreu vom Weizen.

Die Deutsche Euroshop hatte als Shopping-Center-Eigentümer von der Stabilität des Einzelhandels und der Entwicklung der Shopping Center profitiert und war schon gut durch die Krise gekommen. Der ehemalige Deutsche-Bank-„Fonds“, der schon im Aktienmantel gestartet war und frühzeitig von den Deutschbankern in die Freiheit entlassen wurde, hat sich zur deutschen Vorzeige-Immo-AG gemausert. Umsatz und Nettobetriebsergebnis kletterten um je 29% auf 91,1 Mio. bzw. 81,5 Mio. Euro. Das EBT ist von 31,2 Mio. Euro auf 39,6 Mio. Euro gestiegen. Der FFO stieg von 0,68 Euro auf 0,77 Euro je Aktie. Im ersten Halbjahr hat das Unternehmen ein Darlehen mit einem Volumen von 212 Mio. Euro vorzeitig um zehn Jahre prolongieren können. Dadurch sank der durchschnittliche Zinssatz des Kreditportfolios auf 4,83%. Nicht zuletzt auf Grund der guten Zahlen ist Deutsche Euroshop-Chef Claus-Matthias Böge weiter auf Einkaufstour.

Zufrieden zeigt sich auch DIC Asset unter Vormann Ulrich Höller. DIC erzielte im ersten Halbjahr auf Grund der Portfolioverkleinerung durch Verkäufe und Fondsplatzierungen um 7,6 Mio. Euro geringere Bruttomieteinnahmen von 56,5 Mio. Euro. Die Vermietungsaktivität von Bestandsimmobilien stieg um 18% auf 137 800 qm. Der FFO liegt mit 20,1 Mio. Euro leicht unter Vorjahresniveau. Der Konzernüberschuss blieb nahezu stabil bei 6,2 Mio. Euro. Die Eigenkapitalquote stieg über die 30%-Marke und notiert bei 30,5%. Die FFO-Prognose für das Jahr 2011 bleibt bei 40 Mio. bis 42 Mio. Euro.

Der Augsburger Wohnimmobilienprofi Patrizia Immobilien meldete einen verminderten Konzernumsatz von 106,6 Mio. Euro nach 153,1 Mio. Euro im Vorjahr. Mit 425 Wohnungen wurden 232 Wohnungen weniger verkauft als im Vorjahresvergleich. Grund für den Rückgang ist ein großer Blockverkauf im zweiten Quartal 2010. Im Bereich Revitalisierung wurden im zweiten Vierteljahr zwei Blockverkäufe mit 69 Einheiten realisiert. Die Mieterlöse sanken auf 28,8 Mio. Euro (Vj.: 32,8 Mio. Euro). Das EBIT liegt mit 10 Mio. Euro 5,5 Mio. Euro unter dem des Vorjahres. Für das laufende Jahr geht Patrizia-Chef Wolfgang Egger von einem operativen Vorsteuer-Ergebnis von 16 Mio. bis 17 Mio. Euro aus. Mit der Integration der LB Immo Invest sieht sich Patrizia weiter auf einem guten Weg zu einem der führenden europäischen Immobilien-Investmenthäuser.

Prime Office REIT hatte mit ihrem Börsengang ein holpriges erstes Halbjahr. Umsatz (37,9 Mio. Euro) und EBIT (27,7 Mio. Euro) blieben auf Vorjahresniveau. Beim Periodengewinn schreibt das Unternehmen mit 6,3 Mio. Euro wieder schwarze Zahlen (Vj.: -14,4 Mio. Euro). Der FFO sank als Folge der höheren Aufwendungen für den Börsengang sowie höheren Zinszahlungen von 15,3 Mio. Euro auf 9,9 Mio. Euro. Für 2011 geht das Unternehmen von 76 Mio. Euro Umsatzerlösen und einem FFO von 18 Mio. Euro aus. Im zweiten Halbjahr warten vor allem Vermietungsherausforderungen auf das Unternehmen. So müssen die 35 000 qm aus dem Vodafone-Objekt in Düsseldorf neu vermietet werden.

Der frühere uneinholbare Marktführer in der Platzierung geschlossener Fonds, die MPC Capital, musste mit einem Platzierungsergebnis von 75,1 Mio. Euro (Vj.: 102,9 Mio. Euro) wieder kürzer treten. Der Umsatz sank von 28,1 Mio. Euro auf 22,5 Mio. Euro. Der Konzerngewinn stieg bilanziell von -1,7 Mio. Euro auf 39,8 Mio. Euro. Gründe dafür sind allerdings die Senkung der Eventualverbindlichkeiten um mehr als 50% (durch eine Übernahme von neun Bauverträgen von Containerschiffen durch Dritte) sowie positive Effekte aus dem Debt-to-Equity-Swap. Das EBIT erreichte 16,4 Mio. Euro nach -185 Mio. Euro im Vorjahr. MPC geht trotz schlechter VGF-Zahlen von einer weiter steigenden Nachfrage nach geschlossenen Fonds, insbesondere Immobilien und Energie, aus.

Das Hamburger Emissionshaus HCI Capital hat im ersten Halbjahr rund 57,7 Mio. Euro bei Anlegern eingesammelt. Das ist doppelt so viel wie im vergangenen Jahr. Vor allem der Fonds am Berliner Flughafen und HCI JPO Leo laufen gut. Der HCI kommt heute die echte Entschuldung durch Banken im Zuge der Krisensanierung zugute. Bei Schiffen entspannt sich die Situation weiter. Vor allem der Nachschuss von Eigenkapital in Bestandsfonds sank um mehr als die Hälfte auf 16,3 Mio. Euro. Mit der Durchführung der Kapitalerhöhung von rd. 11 Mio. Euro konnte die Eigenkapitalquote auf 54,3% gesteigert werden. Im Gespräch mit PLATOW deutete das Unternehmen an, in diesem Jahr zunächst keine neuen Fonds zu platzieren und lediglich die derzeitigen im Vertrieb befindlichen Fonds auszuplatzieren.

Das Luxemburger Wohnimmobilienunternehmen Gagfah, das derzeit 155 000 Wohnungen im Portfolio hat, erzielte im ersten Halbjahr Einnahmen aus Vermietung von 435,6 Mio. Euro (Vj.: 458,4 Mio. Euro). Das Portfolio schrumpfte um ca. 5 000 Einheiten bzw. knapp 300 000 qm. Das negative Bewertungsergebnis liegt bei 36,2 Mio. Euro (Vj.: -10,3 Mio. Euro). Der FFO je Aktie beträgt unverändert 0,38 Euro.

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