Immobilienbranche profitiert von der Schuldenkrise

Der von der „Immobilien Zeitung“ gegründete und vom Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA) unterstützte Rat der Immobilienweisen sieht in seinem gerade vorgelegten Frühjahrsgutachten die Immobilienwirtschaft als Profiteur der Schuldenkrise. Dies trifft, wie die jeweiligen Forschungsinstitute ergänzen, auf alle Bereiche zu. Ob das mit den gefühlten Erfahrungen vieler an ihren Banken verzweifelnden Projektentwickler korrespondiert, ist offen.

Das Zahlenwerk ist positiv. Niedrige Zinsen, Inflationsangst und der internationale Mangel an sicheren Anlagemöglichkeiten haben die Investitionen in Wohnungen, Büros und Handelsimmobilien deutlich ansteigen lassen. Diese Entwicklung wird sich voraussichtlich auch in den nächsten Jahren fortsetzen, prophezeite der Rat der Immobilienweisen auf dem Immobilienkongress Quo Vadis. Selbst im tiefsten Krisenjahr 2009, in dem die Immobilienpreise in 14 von 17 Ländern der Währungsunion fielen, stiegen die nominalen Preise für Wohnimmobilien in Deutschland an“, erklärt Wolfgang Wiegard. Er sieht als eine der Ursachen den Anstieg der Risikoprämien für Investitionen in anderen Ländern. Private Kapitalexporte seien deshalb stark zurückgegangen. Das Investitionskapital sei in die heimische Bau- und Immobilienwirtschaft geflossen. Gleichzeitig trieben Inflationsängste, auch wenn sie unbegründet seien, Investoren in vermeintlich inflationsgeschützte Anlageformen wie Immobilien oder auch Gold. Vor volkswirtschaftlichem Hintergrund sowie angesichts niedriger Hypothekenzinsen blieben die Aussichten für die deutsche Immobilienwirtschaft in den nächsten Jahren positiv.

Der Preisaufschwung auf dem Wohnungsmarkt gewinne zunehmend an Breite, berichtet empirica-Vorstand Harald Simons. In 71% der Städte konnte ein Preisanstieg festgestellt werden. Die Angebotspreise von Ein- und Zweifamilienhäusern seien seit Ende 2009 um 3,8% gestiegen. Bei Eigentumswohnungen liegt das Plus sogar bei 6,4%. Da die Nachfrage weiter stabil wachse, das verfügbare Angebot an Wohnungen seit zwei Jahren sogar sinke, werde der Trend steigender Preise auch 2012 anhalten. In- und ausländische Investoren haben 2011 mit 10,55 Mrd. Euro ein Drittel mehr für Einzelhandelsimmobilien ausgegeben als im Vorjahr, bestätigt Manuel Jahn von GfK GeoMarketing die Makleranalysen. Bei Büroimmobilien sinkt der Leerstand. Der robuste Arbeitsmarkt führte im vergangenen Jahr zu einem Anstieg der Bürobeschäftigtenzahl um 2,2% auf 13,44 Mio. 2012 erwartet der Immobilienweise Andreas Schulten, Vorstand von BulwienGesa, eine weitere Zunahme um durchschnittlich 0,7%. In Metropolen könnten es auch 1,2% bis 1,6% werden. Da gleichzeitig ein Viertel weniger Büroneubauten auf den Markt kommen, verringern sich in den deutschen Großstädten die Leerstandsraten von 10,4% in 2010 auf 8,4% in 2012. Als Anlageobjekte sind immer noch nur Cashflow-Immobilien in Metropolen gefragt, so dass der Gesamtumsatz leicht sank. Durch die hohe Core-Nachfrage steigen die Preise für solche Immobilien. In Hamburg sank die Nettoanfangsrendite (Kehrwert des Multiplikators) auf 4,8%, in Düsseldorf auf 5,15%, in Köln auf 5,25% und in Frankfurt auf unter 5%. 2012 werde voraussichtlich auf diesem Niveau verharren.

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