MIPIM 2012 – Auf dem Weg zu alter Bedeutung?

Seit Dienstag hat die Gewerbeimmobilienmesse MIPIM 2012 in Cannes ihre Pforten geöffnet. Für einen ersten Vor-Ort Eindruck war es bei Redaktionsschluss noch zu früh, dennoch stimmen das Zahlenwerk und die Gespräche im Vorfeld nur bedingt überein. Auch die Eindrücke, die wir in Gesprächen eingefangen haben, waren geteilt: Die offiziellen Statements der teilnehmenden Manager waren wie üblich voller Lob über die internationale Bedeutung der MIPIM als eine der meistbesuchten Veranstaltungen der Welt im internationalen Immobilienbereich.

So äußerte sich SEB Asset Management-Chefin Barbara Knoflach im offiziellen Messestatement positiv über die Effizienz, die es ermögliche, in vier Tagen das Geschäft von drei Monaten zu machen. Andererseits haben wir in unseren Gesprächen überraschend oft gehört, dass die MIPIM „nicht mehr unsere Messe“ sei und man sich auf die EXPO REAL fokussiere. Die Mannschaften haben sich verkleinert. In der zweiten Ebene ist durchaus zu hören, dass Gesprächspartner nicht mehr anzutreffen seien.

Offiziell verweist die MIPIM dieses Jahr auf 4 200 teilnehmende Immobilieninvestoren bei insgesamt 19 000 Teilnehmern. Die „Immobilien Zeitung“ hat recherchiert, dass der MIPIM-Veranstalter Reed Midem bis jetzt knapp über 700 teilnehmende deutsche Unternehmen gezählt habe. Mit den Kurzentschlossenen werden das deutlich mehr sein als im Vorjahr, als aus rund 650 Anmeldungen am Ende 750 teilnehmende Unternehmen wurden. Die Zahl deutscher Aussteller hat sich von 198 um rund 7% auf 211 Unternehmen erhöht. Deutschland liegt damit hinter Großbritannien mit 396 ausstellenden Unternehmen und vor Frankreich mit 200. Die drei stärksten Nationen machen damit knapp die Hälfte der insgesamt 1 541 ausstellenden Unternehmen aus. Mehr als 2 200 deutsche Teilnehmer kamen im vergangenen Jahr. Die Zahlen des Jahres 2008 sind aber noch weit entfernt. Wir haben in unser Archiv geschaut. Wir berichteten damals von über 28 000 Besuchern aus 85 Ländern.

Am Ende sind wir wieder auf das Zahlenwerk gespannt. Die Abschluss-Statements unserer Gesprächspartner hinsichtlich der guten, qualifizierten und vor allem abschlussorientierten Gespräche werden wir sicherlich aus dem Vorjahr übernehmen können. Grenzüberschreitendes Geschäft wird wieder das Gesprächsthema hinter verschlossenen Türen oder auf Yachten werden. Deutschland bleibt Safe Haven. Die „Corephorie“ wird weitere Blüten treiben. OPM-Geschäft (other people money) – diesmal mit mehr Eigenkapital – mit für zehn Jahre gut vermieteten Core-Immobilien kommt zurück. Das reicht jedem Angestellten der Entscheidungskette. Core-Fixierung und Inflationsschutz werden schlagende Argumente werden. Wo die neuen und alten Fehler liegen werden und wie das PLATOW Immobilien-Team die Core-Fixierung und den Inflationsschutz im vermeintlichen Safe Haven Deutschland einschätzt, haben wir für Sie in unserem neuen PLATOW Special Immobilien, das am 28.3. erscheinen wird, herausgearbeitet.

Deutschland ist dieses Jahr Country of Honour der MIPIM 2012 mit eigenem Rahmenprogramm. Zu den Höhepunkten zählen Reden von Joschka Fischer und Reinhard Schäfers, Deutschlands Frankreich-Botschafter. Dafür gibt es dann auch einen eigenen Award, da Deutschland im vergangenen Jahr trotz drei Nominierungen leer ausging. Neben den drei Nominierten in der rein deutschen Kategorie, ist aber auch die „Alte Post“ der Alstria in Hamburg in der Kategorie „Best Refurbished Building“ für den klassischen MIPIM-Award nominiert. In der Kategorie „Best German Project“ wurden neben der Umwandlung der Herz-Jesu Kirche in Mönchengladbach von Projektentwickler Schleiff, wiederum die „Alte Post“ und das „Maintor – The Riverside Financial District“ in Frankfurt der DIC Asset vorgeschlagen.

Erwartungen deutscher Aussteller

Wir haben einige deutsche Aussteller befragt. Thomas Schmengler, Geschäftsführer der Deka Immobilien, erwartet, dass der Standort Deutschland neben den Investmenthochburgen London und Paris 2012 tatsächlich im Fokus der Inves-toren stehen wird. Dieses Jahr werde wohl viel ausländisches Kapital nach Deutschland fließen. Dieses Kapital sei aber konservativ und suche nach guten Standorten und guter Qualität. Für Hubert Spechtenhauser, Geschäftsleiter der Hannover Leasing, geht es vor allem um die Akquisition neuer Objekte für geschlossene Fonds. Ingo Hartlief, Geschäftsführer von Corpus Sireo Asset Management, sieht ein wachsendes Interesse internationaler Investoren mit deutschen Assets an Transaction Management-Leistungen. Es sollen Gespräche mit bestehenden und potenziellen Kunden geführt werden. Zudem sucht Corpus Sireo nach Co-Investment-Möglichkeiten. Für Bernd-Uwe Willer, Vormann von Savills Deutschland, wird es spannend zu beobachten, wie die einzelnen Marktteilnehmer „Core“ definieren. Bis zur zweiten Jahreshälfte erwartet Willer eine Beruhigung in der Bankenlandschaft. Zudem schlage Transaktionssicherheit weiterhin das Motiv der Renditeoptimierung. Jürgen Allerkamp, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Hypo, reist „mit gedämpftem Optimismus“ nach Cannes. Das persönliche Gespräch auf der Messe sei sehr wichtig und ließe sich durch keine E-Mail und kein Telefonat ersetzen. Allerkamp erwartet auf Grund der aktuellen Stimmungslage jedoch nicht, dass eine Vielzahl neuer Transaktionen während der MIPIM verkündet werden.

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