Bei der Berufsunfähigkeitsvorsorge steckt der Teufel im Detail

Eine falsche Angabe im Antrag, eine unklare Formulierung in den Versicherungsbedingungen, ein Fehler bei der Abwicklung im Leistungsfall – zwischen Rentenleistung und Ausbleiben der Rentenleistung entscheiden im Fall der Berufsunfähigkeit (BU) oft nur Kleinigkeiten. Dennoch versäumen es viele Kunden schon vor dem Abschluss, wichtige Vertragsdetails zu prüfen. Im vermeintlichen Leistungsfall stehen sie dann nicht nur ohne ihre eigene Arbeitskraft, sondern auch ohne finanziellen Ausgleich da.

Ein wichtiges Kriterium für eine passende Versicherung, so Joachim Nägeli, BU-Spezialist der B-Group AG, sei das richtige Verhältnis der versicherten BU-Rente zum Einkommen. Rund 80% des Nettoeinkommens sollten über eine BU abgesichert werden, lautet die Daumenregel. In der Praxis werde das Einkommen aber oft falsch berechnet, Urlaubs- und Weihnachtsgeld oder 13. und 14. Monatsgehälter würden häufig nicht berücksichtigt. Ein weiterer, entscheidender Bestandteil von BU-Versicherungsverträgen betrifft die Nachversicherungsgarantie.

Grundsätzlich gilt: Nachversicherungsgarantien sollten ohne neuerliche Gesundheitsprüfung auskommen. Sonst können BU-Versicherungskunden nach einer Veränderung der persönlichen Lebensumstände – etwa Hochzeit oder Familiengründung – ihre BU-Rente nur dann erhöhen, wenn sie sich einer erneuten Gesundheitsprüfung unterziehen. Ein guter BU-Vertrag sollte auf eine solche Nachprüfung verzichten. Auch ein Berufswechsel sollte dem Versicherungsunternehmen nicht zwingend angezeigt werden müssen. In guten Bedingungen wird ein Berufswechsel nur während der zwölf Monate vor Eintritt des Versicherungsfalls geprüft. Damit soll sichergestellt werden, dass die Krankheit nicht schon vor dem Wechsel bekannt war und der neue Job nur dazu diente, den Versicherungsfall vorsätzlich auszulösen.

Berufsunfähigkeit

Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person infolge von Krankheit, Körperverletzung, Pflegebedürftigkeit oder Kräfteverfall, die ärztlich nachzuweisen sind, voraussichtlich für mindestens sechs Monate ununterbrochen außerstande war oder ist, ihren zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war, auszuüben.

 

Wichtig, so Nägeli, sei auch die so genannte zeitlich unbefristetete Anerkenntnis. Nach der Erstprüfung, ob ein BU-Leistungsfall vorliegt, sollte der Versicherer seine Leistungszahlungen nicht auf einen bestimmten Zeitraum – z. B. zwölf Monate – begrenzen. Die Leistung sollte ab einer sechsmonatigen durchgehenden BU, Arbeitsunfähigkeit oder, bei vorbildlichen Versicherern, auch bei Krankschreibung greifen. Auf die sofortige Meldung bzw. Meldefristen bei Eintritt der BU sollte der Versicherer nicht bestehen. Der Anspruch auf Beitragsbefreiung und BU-Rente entsteht im Idealfall mit Ablauf des Monats, in dem die Berufsunfähigkeit eingetreten und nachgewiesen ist. Schließlich können in der Praxis die jeweiligen BU-Leistungsfälle aus diversen Gründen oft nur verspätet an den Versicherer gemeldet werden.

Der dauerhafte Verzicht auf den abstrakten Verweis ist überdies ein Muss für jedes gute Bedingungswerk. Ein Vertrag ohne diese Klausel ist für den Kunden inakzeptabel. Auch nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben – z. B. durch Arbeitslosigkeit – sollte die zuletzt ausgeübte berufliche Tätigkeit berücksichtigt werden. Der Verweis sollte ohne zeitliche Begründung ausgeschlossen sein. Versicherer, die an dieser Stelle eine zeitliche Befristung einbauen, können den Kunden beispielsweise nach drei Jahren wieder abstrakt verweisen und schwächen den Schutz gegen BU deutlich ab.

Vor einem Neuabschluss gilt es auch, bestehende Versicherungsverträge zu berücksichtigen. Wegen der Komplexität hilft aber hier oft nur der Gang zum unabhängigen Berater.

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