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ESG – Fluch und Segen für Immobilien-Investoren

ESG – Fluch und Segen für Immobilien-Investoren

_ Nach wie vor ist ESG für viele ein schwer zu greifender Begriff. In ihrer Beraterpraxis bei Baker Tilly nehmen die Expertinnen Martina Hertwig und Britta Martens daher Firmen und alternative Investmentfonds mit Immobilienschwerpunkt an die Hand. Denn neben Rendite und Risiko ist Nachhaltigkeit nun mal das zentrale Investitionskriterium und für Marktteilnehmer künftig verpflichtend. Denn die EU-Regulatorik gibt einiges vor: Als wesentliche Bestandteile nennt Hertwig die Offenlegungs- sowie die Taxonomieverordnung (Anwendung ab 2022) und die Anpassung anderer Regelwerke wie MiFID II, alle drei Aspekte äußerst umfangreich ausgestaltet.

In aller Kürze, so fassen die aus Hamburg zugeschalteten Expertinnen ihre Ausführungen zusammen, soll die Taxonomie ein EU-weites Klassifizierungssystem schaffen und damit Nachhaltigkeit entlang der sechs EU-Umweltziele messbar machen. Die Offenlegungsverordnung verpflichtet Finanzmarktteilnehmer zusätzlich, Investoren über verschiedene Medien (Website, Prospekt) ESG-bezogene Informationen zur Verfügung zu stellen. Ab dem Gj. 2022 gehören ESG-Angaben dann auch in die Jahresberichte.

Branche muss viel Neues beachten

Die Immobilienwirtschaft bzw. Immobilienfonds seien spürbar von der EU-Taxonomie betroffen, ergänzt Christoph Strelczyk, Partner bei GSK Stockmann in Hamburg. Technische Bewertungskriterien in den vier Bereichen Neubau, Sanierung/Renovierung von Bestandsimmobilien, einzelne Renovierungsarbeiten und Akquisitionen sowie Eigentümerschaft sind in Zukunft für den Immobiliensektor relevant (s. auch PLATOW Legal + Finance).

In der Praxis sieht Strelczyk hier Probleme. Der Zeitplan sei straff, die Datenlagen für einzelne Objekte zu dünn und nur wenige Bestandsimmobilien würden die ambitionierten Vorgaben erfüllen. Es bestehe für Investoren die Gefahr, dass langfristig gehaltene Immobilen zu „stranded Assets“ verkommen. Außerdem berücksichtige die EU Besonderheiten von Immobilien in nicht-EU-Ländern kaum. Dennoch werden sich die Marktteilnehmer im Immobiliensektor auf lange Sicht der Anforderungen annehmen, betont Strelczyk. Denn ESG-konforme Gebäude werden alleine schon aufgrund ihrer höheren Marktwerte bei Investoren hoch im Kurs stehen.

Foto: Christoph Strelczyk, GSK Stockmann ©Billart.net

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