Family Office – Verwaltung abseits von Großbanken

Betuchte Privatpersonen, die zuvor selbst Unternehmer waren oder dies immer noch sind, kommen ohne professionelle Finanzberatung nicht mehr aus. Das liegt auch daran, dass das anhaltende Niedrigzinsumfeld jahrelang bewehrte und renditestarke Anlagestrategien über den Haufen geworfen hat und sich aktuell die Frage nach Alternativen stellt. Doch der Verwalter sollte unabhängig sein. Schlechte Erfahrungen in der Finanzkrise haben das Vertrauen in Banken und von ihnen allzu abhängige Berater schwer erschüttert. Viele reiche Dynastien lassen ihr Vermögen heute von exklusiven Family Offices verwalten. Wichtige Grundlagen sind hierbei Nähe, Verschwiegenheit und Dialog.

Oftmals ist es der klassische deutsche Mittelstand, der sich an ein Family Office wendet. Dabei wird zwischen „Single Family Offices“ unterschieden, die exklusiv das Vermögen einer Unternehmerfamilie betreuen und „Multi Family Offices“, die einzelne Vermögen im Bereich ab 25 Mio. Euro verwalten. Beide Formen bieten klassische Vermögensverwaltung, Beratung bei Immobilien-Geschäften, in Fragen der Unternehmensnachfolge und bei der Steuerung komplexer Anlage-Portfolios. Was die aktuellen Herausforderungen und welches die erfolgversprechendsten Strategien für vermögende Familien sind, war das Thema des 3. PLATOW FORUM Family Office am 9.7.2014 in Königstein.

Steilvorlage des Bundesverfassungsgerichts

Aktueller hätte das Thema kaum sein können. Am Vortag der PLATOW-Traditionsveranstaltung stellte das Verfassungsgericht die Erbschaftssteuer in Frage. Bislang gilt vereinfacht folgende Regelung: Wenn Familienunternehmer ihr Betriebsvermögen vererben oder verschenken, zahlen ihre Nachfolger dafür nur 15% Steuern oder bleiben sogar ganz steuerfrei. Als einzige Voraussetzung müssen die Nachfolger das Unternehmen fünf bis sieben Jahre weiterführen und in dieser Zeit die Lohnsumme aller Mitarbeiter konstant halten. Die Karlsruher Richter zweifeln nun an diesen Steuerprivilegien für Unternehmenserben. Die Regelung eröffne einen großen Spielraum für Steuereinsparungen und bringe den Staat um viel Geld. Bis voraussichtlich Herbst wird das Gericht nun entscheiden, ob die Besserstellung von Unternehmenserben gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung im Grundgesetz verstößt. Das Gericht prüft zudem, ob Steuerpflichtige, die derartige Vergünstigungen nicht beanspruchen können, in ihrem Recht auf eine gleichmäßige und der Leistungsfähigkeit entsprechenden Besteuerung verletzt werden. Diese Steilvorlage nahm Hans-Christian Blum, Partner bei der Kanzlei CMS Hasche Sigle und Leiter der dortigen Private-Clients-Praxis in Deutschland direkt auf. Blum, der als Moderator durch die Veranstaltung führte, ist auf die Beratung von Familienunternehmen, Family Offices sowie Felder der Vermögens- und Unternehmensnachfolge spezialisiert und weiß, wie wichtig derartige Regelungen in vielen Fällen für den Fortbestand von Unternehmen sind. Das PLATOW Family Office wurde prompt zur Diskussionsbühne für ein Thema, das vermögende Unternehmerfamilien wie kein anderes derzeit beschäftigt. Kommen Neuregelungen, werden diese auch Family Offices zusätzlich herausfordern. Die Beraterzunft, die bislang eher von Einzelkämpfern geprägt war, befindet sich ohnehin in einem strukturellen Wandel. Angebot und Nachfrage steigen weiterhin, aber auch bei den Anlagestrategien vollzieht sich derzeit ein grundsätzlicher Paradigmenwechsel. Die Bedeutung der Family Offices – so zeigte die Veranstaltung – wächst, aber gleichzeitig nimmt auch der an sie gestellte Anspruch zu. Sie müssen in neue Größenordnungen für Investments vorstoßen.

Mut, der eigenen Intuition zu folgen

Durchaus provokativ eröffnete denn auch Paul-Otto Faßbender das PLATOW FORUM mit der These „Das beste Family Office ist das eigene Unternehmen“. Faßbender ist Vorstandsvorsitzender der ARAG. Ein großer deutscher Versicherer in Familienhand mit einer klaren internationalen Strategie hat in Zeiten weltumspannender Konzerne definitiv Seltenheitswert. Als Key-Speaker war Faßbender angetreten, um anderen Unternehmern Mut zu machen, sich mehr auf ihr eigenes unternehmerisches Gespür zu verlassen. Familienunternehmer wüssten, da sie mitunter seit vielen Jahrzehnten in ihren Firmen involviert seien, genau und intuitiv, was für die Firma richtig ist und was nicht. Seine ARAG wie auch er persönlich seien gut durch die Finanzkrise gekommen. Dabei habe er sich in seiner Investitionspolitik nicht auf ausgefuchste Businesspläne eingelassen, sondern sei seinem Gespür gefolgt und habe in risikoärmere Assets investiert. Es sei ein Privileg für jeden Unternehmer, sich auf diese mühevolle Detailarbeit einzulassen. Das gelte für die Entwicklung einer Strategie für die Firma wie fürs eigene Vermögen, um beides durch aktives unternehmerisches Gestalten zu verwalten und zu mehren. Faßbender betonte, dass er sich dabei auf sein Managementteam und ganz bewusst nicht auf Finanzdienstleister verlässt. Diese deutlichen und überzeugenden Worte sahen die nach ihm sprechenden Vertreter von Family Offices durchaus als Ansporn. Reinhard Panse etwa kann als CIO auf die Performance von HQ Trust verweisen, wo die Familie Harald Quandt das Sagen hat. Seit Ende der 1980er Jahre konzentriert sich die Anlagestrategie der Quandts auf alternative Investments und streut Aktien nur geringfügig bei. Die Rendite zwischen 6 und 7% jährlich kann sich sehen lassen. Panse konnte belegen, dass Private Equity, Aktien, Hedgefonds und Immobilien deutlich attraktiver als andere Anlageformen sind. Seine Botschaft: klare Anlagestrategie entwickeln und möglichst beibehalten. Verluste mache nur der, der in Panik seine Aktien verkaufe. Damit lieferte Panse einen gelungenen Auftakt dafür, tiefer in die einzelnen Assetklassen einzusteigen und deren Rentabilität detailliert unter die Lupe zu nehmen.

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ARTIKEL DIESER AUSGABE

21. Juli 2014

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