Donner & Reuschel

Fokus auf ESG-Konformität und Coronakrise beschleunigen Umwertung von Vermögen

_ Realwirtschaft und Börsen verarbeiten mit der Coronakrise gerade einen völlig unerwarteten exogenen Schock, der global nahezu alle volkswirtschaftlichen Segmente mit ungeahnter Härte trifft. In dieser Situation fällt die Fokussierung auf Geldanlage schwer, ist aber umso wichtiger. Gerade Krisen eignen sich oft als gute Grundlage für den Vermögensaufbau. Dabei geht es nicht nur um taktische Positionierungen auf Grund heftiger Kursturbulenzen. Vielmehr müssen sich Anleger sehr grundsätzliche Fragen stellen, denn wir erleben derzeit fundamentale, langfristig wirkende Zeitenwenden, die durch Digitalisierung, Klimawandel und Demografie geprägt sind. Wandel sorgt für eine Umwertung bestehenden Vermögens. Die Entstehung neuen Vermögens hingegen findet wie im Zeitraffer statt. Folglich wird es auch an der Börse Gewinner und Verlierer geben.

Die demografische Alterung führt in vielen Industriestaaten zu einem veränderten Spar- und Anlageverhalten, bei dem stärker auf Kapitalerhalt abgezielt und folglich mit weniger Risiko angelegt wird. Gleichzeitig müssen junge Menschen mehr denn je eigene Vorsorge betreiben und werden dabei angesichts der andauernden Niedrigzinsen verstärkt auf reale Kapitalanlagen, wie bspw. Aktien, zurückgreifen – oftmals mit einem Fokus auf das Segment der ihnen bekannten digitalisierten Plattformunternehmen. Die Digitalisierung selbst impliziert einen tiefgreifenden technologischen Wandel, der bestehendes – im Schwerpunkt industrielles – Produktivvermögen entwerten und neue Sachanlagen sowie vor allem Humankapital erfordern wird. Letzteres umfasst weniger Spezialistenwissen als vielmehr soziale Fertigkeiten sowie Methodenkenntnis und wird zu einem wesentlichen Bestandteil des menschenindividuellen Vermögensstocks. Die Dekarbonisierung, also die Umstellung auf klimaneutrale Produktion, bringt grundlegende Veränderungen im Nachfrageverhalten der Verbraucher mit sich und lässt „fossile“ Produktionsverfahren an Wert verlieren und saubere Technologien einen Wertzuwachs verzeichnen.

Verändertes Bewusstsein

Die Coronakrise beschleunigt diese Entwicklungen. Unternehmen, die ohnehin gerade strukturelle Umstellungsphasen durchleben, bspw. aus der Automobilindustrie, geraten zum einen durch den globalen Konjunktureinbruch in zusätzliche, möglicherweise existenzielle Schwierigkeiten. Zum anderen werden fehlende Kapazitäten offensichtlich, etwa bei bestimmten medizinischen Geräten und Arzneimitteln oder bei digitalisierten Angeboten zur Ermöglichung dezentraler Wertschöpfung. Mit Sicherheit werden die Investitionen von Staaten und Unternehmen für Forschung, Gesundheits- und Pharmawirtschaft sowie E-Learning oder Homeoffice-Angebote deutlich steigen. Strategisch wichtige Produktionsstätten, z.B. für Arzneimittel, werden aus dem vielleicht kostengünstigeren Ausland wieder im Inland aufgebaut. Produzierende Unternehmen mit Abhängigkeiten von bestimmten Vorprodukten werden auf eine regionale Diversifikation ihrer Zulieferer achten, Lagerkapazitäten aufbauen oder ihre Wertschöpfungstiefe erweitern und das Bauteil mithilfe neuer Technologien, wie Robotik oder Künstlicher Intelligenz, selbst herstellen.

Einer der wichtigsten Treiber dieser Entwicklungen ist das veränderte Bewusstsein von Verbrauchern und Anlegern bezüglich der Wirkung eines Unternehmens und seiner Produktionsprozesse auf die Umwelt im weitesten Sinne. Es stehen zunehmend nicht mehr nur die Maximierung des Shareholder-Value oder die Minimierung des Kaufpreises im Fokus. Vielmehr werden Unternehmen angehalten, auch die Interessen ihrer Mitarbeiter, Kunden, Zulieferer sowie ihres direkten Umfeldes zumindest nicht negativ zu beeinflussen. Für Anleger entstehen handfeste Vorteile durch die Berücksichtigung von ESG-Kriterien, denn wesentliche Geschäftsrisiken werden offensichtlicher und zu risikoreiche Anlagen können vermieden werden. Unternehmen können die Gefahr von Reputationsschäden, Prozessen und Schadensersatzzahlungen deutlich reduzieren. Negativbeispiele aus der jüngeren Vergangenheit sind VW und Bayer. Sowohl „Dieselgate“ als auch die Glyphosat-Prozesswelle im Zuge der Übernahme von Monsanto lasten seit Jahren auf den Notierungen. Positiv auf das Image und damit förderlich für den Unternehmenswert wirkt sich hingegen soziales und gesellschaftliches Engagement aus.

Wie das Vermögen der Zukunft aussehen wird, beleuchten wir auch in unserer aktuellen Studie, die wir gemeinsam mit dem Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut erstellt haben: https://www.donner-reuschel.de/verantwortung/

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