Unternehmensanleihen können ein Depot bereichern

Droht in Deutschland eine Kreditklemme oder nicht? Wirklich einig sind sich die Experten nicht. So ist das Münchener ifo-Institut der Meinung, dass die deutschen Unternehmen nach wie vor keine Probleme hätten, an Kredite zu kommen. Andererseits klagen uns so manche Unternehmensvorstände in Gesprächen ihr Leid. Und dass die Geschäftsbanken die halbe Billion Euro, die sie von der EZB zu Schnäppchenzinsen erhalten haben, wirklich wie erhofft an die Realwirtschaft weiterreichen, glauben viele nicht.

So manches Unternehmen weicht dem Problem daher aus, indem es die Banken umgeht und direkt bei Anlegern um Fremdkapital buhlt. Diese Art der Finanzierung war bis in den Sommer 2011 hinein auf dem Vormarsch, ehe die Turbulenzen an den Kapitalmärkten für ein abruptes Ende des Booms sorgten. Am Markt für die so genannten Mittelstandsanleihen geht seither kaum noch etwas. Auch Unternehmensanleihen bekannterer und größerer Firmen konnten nicht mehr so leicht an den Mann gebracht werden. Mitschuldig an dieser Entwicklung war wohl auch die Verschärfung der Krise in Griechenland, die vielen Privatanlegern vor Augen führte, dass die Gleichung „Anleihe = sicher“ leider nur allzu oft nicht aufgeht. Und wenn schon Staatsanleihen nicht sicher sind, sind dann nicht Unternehmensanleihen erst recht gefährlich?

Die Kursentwicklung so mancher Firmenanleihe lässt diese Vermutung durchaus plausibel erscheinen. So wurden auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im Herbst 2008 viele Anleihen grundsolider Unternehmen zu Ramschpreisen verschleudert. Beispielsweise stürzte ein bis 2016 laufender Titel von Fresenius im Tief bis 70% seines Rückzahlungskurses ab, erholte sich allerdings schnell wieder. Weitaus schlimmer erwischte es jüngst einige Festverzinsliche aus der Solarbranche: Die beiden Anleihen des deutschen Branchenprimus Solarworld dümpeln derzeit bei 60% ihres Nennwerts herum, die Anleihe der kleineren Centrosolar ist gar für weniger als 50% des Rückzahlungskurses zu bekommen.

Dies zeigt zweierlei: Erstens können die Kurse von Unternehmensanleihen zeitweise stark auf weltwirtschaftliche Verwerfungen reagieren, selbst wenn (wie bei Fresenius) ein Ausfall unwahrscheinlich ist. Wer sich also nicht sicher ist, eine Anleihe bis zur Fälligkeit halten zu können, sollte dies bei seiner Investitionsentscheidung berücksichtigen. Ansonsten muss er womöglich mit Verlust verkaufen, was auch durch hohe Zinscoupons oft nicht mehr ausgeglichen werden kann.

Zweitens kommt es auch bei Unternehmensanleihen auf eine sorgfältige Auswahl an. Ist eine Branche stark von politischen Vorgaben abhängig (z. B. der Solarsektor) oder durch weltwirtschaftliche oder sektorspezifische Umstände in besonderem Maße negativ beeinflusst (Immobilienbranche, Banken), sollten Anleger mit spitzem Bleistift rechnen. Denn natürlich gibt es die meist höheren Zinsen nur, wenn das Unternehmen zahlungsfähig bleibt. Geht die ausgebende Firma während der Laufzeit pleite, schauen Anleger in die Röhre. Ein Lied davon singen können Besitzer der Anleihe von Solar Millennium, die aktuell rund 94% im Minus liegen. Aktuell wagen wieder vermehrt Unternehmen den Schritt an den Anleihemarkt. Darunter auch die Großbäckerei Heberer und die im Recyclinggeschäft aktive Scholz-Gruppe, die ein Volumen von bis zu 150 Mio. Euro einsammeln will.

Checkliste für Unternehmensbonds

Anleger sollten sich von hohen Zinsversprechen nicht blenden lassen. Jahreszinsen von 7%, 8% oder gar über 10% müssen sie mit entsprechend hohen Risiken erkaufen. Manche dieser Unternehmensanleihen halten wir für deutlich riskanter als die Aktien solider Gesellschaften. Anleger sollten daher vor dem Kauf einer jeden Unternehmensanleihe ihre Hausaufgaben machen. Im Idealfall ist der Herausgeber börsennotiert (und damit ausreichend transparent), verfügt über ein bewährtes Geschäftsmodell, ist in den vergangenen Jahren bei Umsatz und EBIT gewachsen, erwirtschaftet einen starken Cashflow (um den Schuldendienst zuverlässig leisten zu können) und weist vernünftige Bilanzrelationen auf. Je mehr Punkte mit „Ja“ beantwortet werden, desto risikoärmer wird das Investment – und desto geringer leider auch im Normalfall der Zinssatz des Firmenbonds. Zudem sollten Anleger die Laufzeit des Wertpapiers im Auge behalten, mehr als fünf Jahre sind schwer zu überblicken. Wird die Unternehmensanleihe dann auch noch mit einer erträglichen Spanne zwischen An- und Verkaufskurs gehandelt, kann sie für das Wertpapierdepot durchaus eine Bereicherung sein.

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