Es geht nicht nur um Rendite

Lohnt es sich noch zu stiften? So provokativ die Frage von Moderator Michael Busch, Leiter Stifterbüro Frankfurt, gemeint war, so entschieden bejahten die Teilnehmer des Podiums zur zukünftigen Gestaltung von Stiftungen diese. Der gedankliche Austausch zwischen Busch, Thomas Gauly, Gründungsgesellschafter des Investment- und Beratungshauses Gauly Dittrich van de Weyer, Knut Mikoleit, Rechtsanwalt mit dem Schwerpunkt Erb- und Stiftungsrecht und Stefan Rapp, Vorstand Stiftung Giersch, zeigte deutlich: „Sich lohnen“ bedeutet für Stifter etwas anderes als nur finanzieller Ertrag. Es geht auch um die Taten, die durch sie angestoßen werden. Gauly formulierte es drastisch: Rein ökonomisch betrachtet, mache Stiften nie Sinn. Das größte Kapital der Stifter sei aber ohnehin die Leidenschaft und nicht das Geld.

Diese Einstellung sei das Motivierende für die Arbeit, Zinskrise hin oder her. Dennoch – und auch hier war sich das Panel einig – werden die Aufgaben für Stiftungsverantwortliche umfangreicher. Die entscheidende Frage ist: Woher bekommen die Stiftungen Hilfe bei der Anlageentscheidung? Immerhin haben 40% der Stiftungen gar keine Anlagestrategie und 75% verwalten ein Volumen von weniger als 1 Mio. Euro. Rapp ist für die Stiftung Giersch ganz pragmatisch vorgegangen. Er hat sich das Protfolio der erfolgreichsten und langlebigsten Stiftungen angeschaut. Dabei kam heraus, dass die meisten auf Grund und Boden setzen. Daher investierte Rapp in Immobilien und ist nun froh, dass er nicht so stark vom Zinseinbruch betroffen ist. Auch Gauly rät speziell kleineren Stiftungen, sich an den großen zu orientieren bzw. sich mit ihnen auszutauschen. Dies sei der deutlich bessere Weg als sich externe Berater zu holen. Hätten Berater keine Affinität zum Stiftungszweck, sei deren Hilfe wenig wert. Mikoleit beobachtet in seiner Arbeit eine deutlich positive Entwicklung hin zu mehr Professionalität. Dazu zähle auch, dass Stifter zumeist nicht erst Stiftungszweck und Gründung durch ihr Testament veranlassen würden, sondern bereits zu Lebzeiten die Stiftung ausgestalten. Dieses Vorgehen könne zu mehr Klarheit beim Stiftungszweck verhelfen, nötige Veränderungen anstoßen, die personelle Besetzung optimieren und so die Kontinuität auch nach dem Ableben des Stifters besser garantieren.

Eine ebenso hohe Hürde wie die richtige Ausgestaltung der Finanzen sah das Panel in der gesellschaftlichen Würdigung der Arbeit. Zwar sei die Präsenz der Stiftungen in der Gesellschaft größer geworden, damit laufe jede Einrichtung aber auch Gefahr, vom Staat für Bereiche, die eigentlich dessen Aufgabe seien, vereinnahmt zu werden, so Gauly. Rapp wird deutlicher: Gesellschaft und Politiker müssten aufhören, Stiftern steuerliche Einsparungen als Motiv zu unterstellen und die Leistungen voll anerkennen. Das sei gerade wichtig, wenn die Stiftungen selbst um die weitere Gestaltung kämpfen müssten.

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