Märkte

Malaysia wird zum „guten“ Schuldner

Die stabileren IWF-Aussichten machen die Regierungsarbeit in Kuala Lumpur nur bedingt leichter.
Die stabileren IWF-Aussichten machen die Regierungsarbeit in Kuala Lumpur nur bedingt leichter. © CC0

_ Die Aussichten Malaysias haben sich stabilisiert. Der durch die Corona-Pandemie bedingte Einbruch der Wirtschaft um etwa 6% im vergangenen Jahr dürfte bis Ende 2021 aufgeholt sein. Die neueste Einschätzung des IWF im Zuge des aktuellen Artikel-IV-Berichts mit 6,5% für das laufende Jahr und 6% für 2022 deutet auf eine kräftige Erholung. Die ADB hatte im Ausblick zum Jahreswechsel sogar 7% für 2021 angesetzt, nachdem im September noch mit den jetzt vom IWF genannten 6,5% gerechnet wurde. Ob nun 6,5 oder 7% – es läuft zunächst auf eine solide Erholung hinaus.

Die amtierende Regierung hat ihre fiskalischen Möglichkeiten ausgeschöpft, um die Folgen der Corona-Krise einzudämmen. Der Einbruch ging erwartungsgemäß von den wichtigsten Treibern des vorausgegangenen Wachstums aus. Sowohl der Konsum (-5,1%) als auch die Investitionen (-7,3%) des privaten Sektors knickten ein. Nur die Staatsausgaben lieferten kompensierende expansive Impulse gegen die Abwärtsbewegung. Ab 2022 wird der private Konsum in die IWF-Projektion neuen Schub bringen mit Zuwachsraten oberhalb des BIP-Wachstums, während die Staatsfinanzen auf Konsolidierungskurs gehen.

Allerdings ist auch eine Abschwächung der privaten Investitionen eingerechnet. Diese Zurückhaltung der privaten Unternehmen zusammen mit der geplanten fiskalischen Konsolidierung (post-Covid) weisen auf ein gewisses Problem hin: Malaysia soll der Projektion zufolge weiter Leistungsbilanzüberschüsse zwischen 2,7 und 3% vom BIP erzielen. Dies hat derzeit die Konsequenz, dass das Standing des Landes an den internationalen Märkten sich eher verbessert vor dem Hintergrund wachsender Risikoaversion der Investoren. Malaysia ist damit ein „guter“ Schuldner, wenn die Auslandsverschuldung von 69,3% vom BIP per Ende 2020 auf 47,6% wie prognostiziert fällt. Das freut die Gläubiger, bringt aber das Land nicht wirklich voran: Malaysia wäre damit ein Emerging Market, der netto die Kapitalbildung im Ausland, namentlich in den Gläubigerländern, finanziert.

Hier dürfte das Gegenstück zur Investitionsschwäche stecken. Und dabei spielen offenbar nicht zuletzt die politischen Probleme eine zentrale Rolle: Die allfälligen IWF-Empfehlungen zu den strukturellen Reformen beziehen sich aktuell ausschließlich auf den Bereich Governance und Korruptionsbekämpfung. Hintergrund ist die stark von rassischen und religiösen Spaltungen geprägte Gesellschaft, die aufgrund der daraus entstehenden Loyalitätszwänge einen überproportionalen Spielraum für Korruption erzeugt. Solche Strukturen sind keine Einladung für Investitoren.

Nimmt man die so vorgezeichnete Entwicklung beim Wort, dann steht das Risiko von Aufwertungen des Ringgit auf Kosten der internationalen Wettbewerbsfähigkeit im Raum. Demgegenüber bleibt im Zahlengerüst des IWF gut erkennbar, dass der private Konsum eine positive Rolle spielen soll.

Die derzeit absehbare Entwicklung in Malaysia dürfte Chancen am ehesten bei Konsumtiteln eröffnen.

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