Banken

Bei der Bankenfusion gibt es keine echten Gewinner

Auch in den Türmen der Deutschen Bank finden Gespräche mit Commerzbank statt
Auch in den Türmen der Deutschen Bank finden Gespräche mit Commerzbank statt © Deutsche Bank AG

Das von Berlin ausgelöste Fusionsfieber hat die Deutsche Bank und die Commerzbank erreicht. Bei einem Zusammenschluss entstünde ein nationaler Champion, der mit einem Marktgewicht von rd. 24 Mrd. Euro immerhin Player wie Société Générale überholen und zur UniCredit aufschließen würde. Für einen Zusammenschluss wären aber bis zu 9 Mrd. Euro zusätzliches Kapital nötig. Etwa die Hälfte davon könnte Deutsche Bank-CEO Christian Sewing durch den Verkauf der Ertragsperle DWS erzielen, weshalb wir die Mehrheitsbeteiligung der Bank in diesen Rundblick aufgenommen haben.

Selbst wenn eine Finanzierung der Commerzbank-Übernahme gelänge, etwa durch Ausschöpfung eines „Badwills“ nach IFRS, worüber die EZB-Bankenaufsicht allerdings bereits die Nase gerümpft hat, würden die Probleme durch einen Zusammenschluss nicht gelöst. Im Privat- und im Firmenkundengeschäft bliebe der Markt weiter fragmentiert. Im Investmentbanking hechelt die Deutsche Bank der internationalen Konkurrenz hinterher. Die Erträge, die seit 2015 um ein Viertel eingebrochen sind, würden weiter sinken und die erzielten Kostengewinne auffressen.

Von dem Ziel, eine Rendite auf das Eigenkapital von über 4% zu erzielen, wird sich die Bank angesichts des weiterhin widrigen Umfelds verabschieden müssen. Deshalb erscheinen uns bei der Aktie (7,25 Euro; DE0005140008) das KGV von 14 und die Dividendenrendite von 1,5% nicht verlockend genug. Zudem kommt die Fusionsfantasie wohl eher der Aktie des kleineren Partners zugute. 

Meiden Sie weiter die Deutsche Bank.

Die Commerzbank ist schon etwas näher am auskömmlichen Geschäftsmodell. Das intensiv gepflegte Firmenkundengeschäft wird trotz aktueller Schwäche steigende Erträge abwerfen. Hält CEO Martin Zielke zudem die Kosten stabil, könnte die Aufwands-/Ertragsquote in Richtung 75% sinken (2018: 80%). Hinzu kommt die Fusionsfantasie. Bei einem Übernahmeangebot würde nicht zuletzt Finanzminister Olaf Scholz mit seinem Paket von rd. 16% auf eine ordentliche Prämie auf den aktuellen Kurs der Aktie (6,89 Euro; DE000CBK1001) dringen.

Wer als risikobewusster Investor auf einen Deal setzt, steigt bei Commerzbank ein. Stopp bei 5,50 Euro.

Spekulationen, die Deutsche Bank könnte ihren 78%-Anteil an der DWS dazu nutzen, um das nötige Kleingeld für die Übernahme zu bekommen, haben dem Kurs der DWS-Aktie (30,79 Euro; DE000DWS1007) einen Schub gegeben. Wir halten einen Verkauf der Fondstochter, mit deren Übernahme sich z. B. die Allianz auf Platz 3 der globalen Vermögensverwalter schieben würde, aber für nicht sehr wahrscheinlich. Operativ hat sich bei der DWS seit unserer letzten Einschätzung in PB v. 4.2. nicht viel gebessert. Wenn überhaupt, so deuten die Äußerungen anderer Institute (zuletzt UBS, vgl. PB v. 22.3.) darauf hin, dass die Zeiten für Vermögensverwalter eher schwieriger werden. Zudem ist die Aktie mit einem KGV von 13 trotz einer guten Dividendenrendite von 4,4% schon weit vorausgelaufen. 

Warten Sie daher bei DWS noch ab.


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