Auf dem Prüfstand

Nfon kämpft um Europa

Nfon stellt Telefondienstleistungen in der Cloud zur Verfügung
Nfon stellt Telefondienstleistungen in der Cloud zur Verfügung © CC0 Creative Commons

Wer als Anleger der ersten Stunde am Börsengang der Nfon teilnahm, hat wechselhafte zehn Monate hinter sich. Denn der europäische Telefondienstanbieter in der Cloud konnte nach seinem Debüt auf dem Parkett am 11.5. nur bis Juli mit Kursgewinnen glänzen. Nach den Halbjahreszahlen Ende September ging es für die zu 13,00 Euro ausgegebene Aktie (9,80 Euro; DE000A0N4N52) zunächst steil bergab bis auf ein Tief bei 8,25 Euro Mitte Februar. Erst mit den Jahreszahlen Anfang März setzt jetzt eine Erholung bei dem Titel ein.

Der Tauchgang beim Kurs war neben der generellen Risikoaversion der Börsianer im 2. Hj. 2018 v. a. der Tatsache geschuldet, dass einige Anleger offenbar die aggressive Wachstumsstrategie der Münchner nicht richtig auf dem Schirm hatten. Denn CEO Hans Szymanski investiert die IPO-Gelder in die internationale Expansion, den Ausbau des Produktportfolios sowie in Vertrieb und Marketing. „Wir haben bewusst den Break-even verlassen“, erklärt Szymanski im PLATOW-Exklusivinterview. Denn jetzt werde der Kuchen in Europa verteilt, und deswegen habe Nfon auch den Markteintritt in die für die Cloud-Telefonie interessanten Nachbarmärkte Italien und Frankreich durchgezogen. „Mittelfristig wollen wir nach der Investitionsphase eine EBITDA-Marge haben, die mindestens den 10% unseres Deutschlandgeschäfts entspricht“, setzt sich Szymanski ehrgeizige Ziele.

Die 2018er-Zahlen zeigen, dass dazu noch ein gehöriges Stück Weg zurückzulegen ist. Während der Umsatz um 20,7% auf 43 Mio. Euro kletterte, ergab sich beim EBITDA wegen hoher Investitionen und IPO-Kosten ein Verlust von 7,7 Mio. Euro. Erfreulich ist der hohe Anteil von wiederkehrenden Erlösen (2018: 80,4%). Der wird zwar 2019 kaum steigen, weil beim Aufbau des Neugeschäfts in Frankreich und Italien zunächst verstärkt Einmal-Umsätze aufkommen. Langfristig sorgt die internationale Expansion aber für gute Wachstumsaussichten. Keine Sorgen macht uns der leicht zurückgehende Umsatz je Nutzer (APRU 2018: -3,9%), der v. a. der Tatsache geschuldet ist, dass Nfon immer mehr Geschäft über Partner wie Telefonica Deutschland macht. Nfon ist ein Kauf für risikobewusste Anleger. Stopp: 7,95 Euro.


Weitere Empfehlungen der Redaktion

| Standpunkt | 23. Mai 2019

Die EU und Osteuropa

Die Europawahl (23.-26.5.) wird vieles verändern. Von den (noch) 28 EU-Staaten, die Vertreter nach Straßburg schicken, kann knapp die Hälfte, nämlich elf, darunter viele kleine, Osteuropa… mehr

| Nahrungsmittel | 17. Mai 2019

Südzucker – Salzige Abrechnung

Die Krise am Zuckermarkt hat Südzucker schwer gezeichnet. Bereits in den Vormonaten jagte bei Europas Zuckerkönig eine Hiobsbotschaft die nächste. Entsprechend vorbereitet reagierten… mehr

| Saatguthersteller | 17. Mai 2019

KWS Saat – Der Schein trügt

Die Mitteilung zu den Q3-Zahlen, die KWS Saat am Donnerstag (16.5.) veröffentlichte, liest sich durchaus positiv: Nach den ersten neun Monaten (per 31.3.) des Gj. ging der Umsatz zwar… mehr

Ihr Webbrowser ist veraltet!

Aktualisieren Sie Ihren Webbrowser, um diese Website korrekt anzuzeigen. Webbrowser jetzt aktualisieren

×