Börsengang

Teamviewer – Deutsches Einhorn stürmt Börse

Teamviewer hat seine Zentrale in Göppingen - und versorgt von dort die Welt
Teamviewer hat seine Zentrale in Göppingen - und versorgt von dort die Welt © Teamviewer

Die Dürre am deutschen Markt für Börsengänge (IPO) hat ein Ende (s. „Unsere Meinung“ auf S. 1). Und mit Teamviewer stürmt dabei gleich ein veritables Einhorn an die Deutsche Börse, also ein Unternehmen, das schon vor seiner Erstnotiz mit mehr als 1 Mrd. Euro bewertet wird.

Das Softwareunternehmen aus Göppingen bietet bis zum 24.9. maximal 84 Mio. Aktien in einer Preisspanne von 23,50 bis 27,50 Euro zur Zeichnung an. Am 25.9. soll die Aktie erstmals im Prime Standard gehandelt werden. Vieles deutet dabei auf einen sehr erfolgreichen Börsengang hin. Das Orderbuch der Konsortialbanken – an der Spitze Goldman Sachs und Morgan Stanley – war bereits am ersten Tag der Zeichnungsfrist (12.9.) voll.

Die sich abzeichnende mehrfache Überzeichnung des Angebots wird dafür sorgen, dass der Ausgabepreise eher am oberen Ende der Preisspanne erfolgen wird. Im Grauhandel per Erscheinen wird dem Papier (29,00 Euro; DE000A2YN900), das später ein MDAX-Kandidat sein wird, zudem aktuell ein Zeichnungsgewinn von rd. 5% zugetraut. Das Emissionsvolumen dürfte bei 2,3 Mrd. Euro liegen, was die Göppinger zum schwersten Börsenneuling seit Knorr Bremse im Oktober 2018 macht. Insgesamt werden die Schwaben, die der britische Finanzinvestor Permira 2014 für 870 Mio. Euro gekauft hatte, mit der stolzen Marktkapitalisierung von 5,5 Mrd. Euro bewertet.

Gewinnbringende Technik „Made in Germany“

Teamviewer stellt Software her, mit der Computer und andere Geräte aus der Ferne gesteuert oder vernetzt werden können. Ein IT-Techniker kann so vom eigenen Standort aus Wartungs- oder Reparaturarbeiten an fremden PCs durchführen. In der vom 5G-Mobilfunkstandard befeuerten Industrie 4.0 können aber auch ganze Fabriken miteinander vernetzt arbeiten. Das Besondere: Das 2005 von Tilo Rossmanith gegründete und heute von CEO Oliver Steil geleitete Start-up ist nach der erfolgreichen Umstellung vom Software-Lizenzverkauf auf das -Mietmodell profitabel geworden, wie die Zahlen des Börsenprospekts zeigen. Zudem ergibt sich eine operative Marge von zuletzt 59,7% (s. Tabelle links), mit der die zum Teil noch mit Verlust arbeitenden US-Konkurrenten Zoom Video, Okta und Slack nicht mithalten können.

Weil Permira nur eigene Papiere abgibt, kommt vom Emissionserlös nichts in Göppingen an. Benötigt für die geplante Expansion wird das Geld aber nicht, sagt CEO Steil. Der freie Barmittelzufluss, der sich in den ersten sechs Monaten auf 61,7 Mio. Euro summierte, reicht für die Wachstumspläne aus. Im Gegenzug müssen sich Anleger aber laut Börsenprospekt in den kommenden beiden Jahren auf dividendenlose Zeiten einstellen. Das von uns errechnete 2020er-KGV von 48 ist für eine Softwareschmiede, die mittelfristig eine Cash EBITDA-Marge von 60% anstrebt, durchaus akzeptabel. Fraglich ist lediglich, ob Privatanleger angesichts der hohen Nachfrage institutioneller Investoren bei der Zuteilung stark bedacht werden.

Dennoch raten wir, bei Teamviewer am oberen Ende der Spanne zu zeichnen. Den Stopp liefern wir nach.

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