Fusionen und Übernahmen

Ende der Durststrecke für Distressed-M&A freut Berater

Ende der Durststrecke für Distressed-M&A freut Berater
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_ Wer sich auf das Geschäft mit dem Kauf und Verkauf kriselnder Unternehmen und Unternehmensteile spezialisiert hat, musste in den vergangenen Jahren geduldig sein – 2020 und 2021 waren in diesem Markt ausgesprochene Flautejahre. Das beginnt sich zu ändern. „Wir sehen aktuell eine Trendumkehr.

Seit drei bis vier Wochen erhalten wir deutlich mehr Anfragen als in den Monaten zuvor“, berichtete uns Jörg Eschmann, Senior Partner und Leiter M&A und Financial Advisory bei Roland Berger. „Im Moment sind unsere Bank- und Finanzrechtler noch damit beschäftigt, die Finanzierungen unter Druck geratener Unternehmen wieder ins Lot zu bringen. Aber zum Teil macht man sich auch schon Gedanken darüber, welche Unternehmensteile dringend benötigtes Geld in die Kasse spülen könnten“, erklärte ein Transaktionsanwalt aus einer deutschen Großkanzlei.

Die Branchen, in denen der Zwang zum Spartenverkauf besonders groß werden dürfte, sind keine Überraschung. An erster Stelle nennen Branchenkenner meistens den Automotive-Sektor. „Gerade für einige Tier 1-Zulieferer könnte es eng werden, weil sie ihre Kostensteigerungen nicht einfach an die Autohersteller weitergeben können – dafür ist deren Marktmacht einfach zu groß“, prophezeit der Anwalt. Der Großteil der Restrukturierungs- und Distressed-M&A-Fälle werde sich aber voraussichtlich im Mittelstand abspielen.

Auch in energieintensiven Branchen wie Stahl- und Glasproduktion rechnen die Experten bald mit mehr insolvenznahen Situationen und entsprechend mehr Abverkäufen. Den entscheidenden Schlag dürften Energieknappheit und verschärfte Kreditkonditionen selbst der geduldigsten Hausbanken auch für die Unternehmen bedeuten, die ihre Finanzierung schon länger „auf Kante“ genäht haben. Mit der Masse, erläutert Eschmann, wächst aber auch die Aussicht darauf, dass die öffentliche Hand am Ende die schlimmsten Schieflagen abwenden hilft: „Ob daraus eine große Welle wird oder nicht, wird maßgeblich davon abhängen, welche Hilfen und Erleichterungen der Staat zur Verfügung stellt.“

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