Pandemie

Handel – Politik sucht Königsweg

Die neuen Öffnungsregeln zur Vermeidung voller Einkaufsmeilen passen nicht allen Händlern.
Die neuen Öffnungsregeln zur Vermeidung voller Einkaufsmeilen passen nicht allen Händlern. © Peter Roehl, www.pixelio.de

Auch mit der von Bundeskanzlern Angela Merkel und den Länder-Chefs beschlossenen zaghaften Öffnung von Non-Food-Läden bleibt der deutsche Einzelhandel unter Druck. Auf völliges Unverständnis stößt denn auch die von der Politik getroffene Regelung, wonach nur stationäre Geschäfte mit einer Verkaufsfläche bis 800 qm (Ausnahme: Buch-, Fahrrad- und Autohändler) ab Montag wieder öffnen dürfen, weil diese die strengen Abstands- und Hygieneregeln am ehesten durchsetzen könnten.

„Wettbewerbsverzerrung“, schimpfen die größeren Händler und auch Stefan Genth, Chef des Deutschen Handelsverbandes (HDE), schüttelt ob des Vorgangs den Kopf. Dabei liegt es auf der Hand, dass mit der nach oben gedeckelten Lockerung große Menschenmassen von Innenstädten ferngehalten werden sollen, um das Ansteckungsrisiko klein zu halten. Den weiter auf den Online-Vertrieb vertrösteten Händlern hilft das nicht, können sie damit die Umsatzausfälle aus den Filialen doch kaum wettmachen. Selbst reine E-Commercer, die sich auf das Geschäft im Netz verstehen, treiben die Auswirkungen der Corona-Krise bereits in die roten Zahlen.

Prominentes Beispiel ist Zalando. Hier dürfte der operative Verlust (EBIT) im Q1 bei 90 Mio. bis 110 Mio. Euro (Umsatz: +10,1 bis +11,6%) gelegen haben, resümierten die Berliner jetzt auf Basis vorläufiger Zahlen. Im Vj. waren es zeitgleich 6,4 Mio. Euro Gewinn. Hinzu kommen Warenabschreibungen in Höhe von 40 Mio. Euro. Den Markt hatte das Management darauf jedoch gut vorbereitet (s. a. PLATOW Börse v. 15.4.): Die Zalando-Aktie zog am Donnerstag im MDAX deutlich um 6% an. Zudem hat der Otto-Rivale längst mit dem Sparen begonnen und noch Finanzreserven von über 1 Mrd. Euro.

So gut ausgestattet sind aber nicht alle. Um die scharfe Kritik zu kontern und die Lieferketten in der Krise intakt zu halten, spannt Finanzminister Olaf Scholz für den Handel einen milliardenschweren Schutzschirm auf. Bis zu 30 Mrd. Euro Ausfallrisiken will er den Kreditversicherern abnehmen, falls zu viele Lieferanten wegen nichtbezahlter Rechnungen der Händler ihre Warenkreditversicherung beanspruchen.

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