Gesundheit

Fresenius lässt sich von Elliott nicht treiben

Fresenius-Konzernzentrale
Fresenius-Konzernzentrale © Fresenius Medical Care

_ Michael Sen, neuer Chef von Fresenius, hält sich trotz aktuell bescheidener Performance des Bad Homburger Gesundheitskonzerns (Aktienkurs, Gewinnwarnungen) mit offener Kritik an seinen Vorgängern zurück. Hinter verschlossener Tür wird im Vorstand wie auch AR aber Tacheles geredet. Pikant: Vor allem Gerd Krick, heutiger Ehrenvorsitzender des AR, davor Oberaufseher und langjähriger CEO, und die als phG mit 26% bei der Fresenius KgaA tonangebende EKFS-Stiftung mit ihrem einflussreichen Stiftungsratsvorsitzenden und ehemaligen Testamentsvollstrecker von Else Kröner, Dieter Schenk, stehen dabei im Fokus. Strategische Fragen seien über Jahre nicht angegangen worden. Fresenius sei in vielen Einheiten heute ein Gemischtwarenladen, an den weder leicht angedockt werden könne noch sich Teile leicht herauslösen ließen. Schuld daran sei die nicht mehr zeitgemäße, als Abwehrmechanismus gedachte Konzernstruktur.

Auch Sens Vorgänger an der Konzernspitze sollen angeblich ihr Fett wegbekommen. Stephan Sturm habe als gelernter Investmentbanker eher auf Zukäufe statt operative Verbesserungen gesetzt, was angesichts steigender Zinsen nicht mehr funktioniert (wenngleich Corona und die Veränderungen am Gesundheitsmarkt in den USA so nicht planbar gewesen seien). Sturms Vorgänger Ulf Schneider habe sich vor allem durch Mikromanagement hervorgetan.

In dem Urteil, dass Fresenius heute ein Restrukturierungskandidat ist, sind sich Sen und sein AR-Chef Wolfgang Kirsch einig. Auch die Stiftung wird sich konstruktiven Vorschlägen kaum verweigern. Sen, der bei E.ON für die Abspaltung von Uniper und bei Siemens für den IPO von Healthineers mit verantwortlich war, kann bei Fresenius aber nicht auf alte M&A-Rezepte zurückgreifen, auch wenn der Einstieg von Elliott (unter 3%) anderes nahelegt. Die Stiftung und auch Kirsch, der schon als Chef der DZ Bank kein großer M&A-Fan war (Ausnahme Fusion mit WGZ Bank), wollen überzeugt werden. Notverkäufe zum Schuldenabbau wird es nicht geben, es gehe vielmehr um Werterhalt und Sanierung aus eigener Kraft, hören wir. Elliott-Chef Paul Singer, den die Umbruchssituation und auch der starke Dollar nach Bad Homburg gelockt haben, wird sich in Geduld üben müssen.

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