Bankensektor

Bethmann Bank will bei digitalem Banking kein „First Mover“ sein

Stefan Meine, Mitglied der Geschäftsleitung der Bethmann Bank
Stefan Meine, Mitglied der Geschäftsleitung der Bethmann Bank © Bethmann Bank

_ Die 1712 gegründete Bethmann Bank ist im Umbruch. Das Urgestein des Wealth Managements will nun auch im Markt für Unternehmenskunden angreifen, speziell im hart umkämpften Mittelstandssegment. Dafür wurde im vergangenen Jahr die „Enterprise & Entrepreneur“-Initiative ausgerollt, bei der es um die Betreuung von Unternehmern abseits des Privatvermögens geht. In Frankfurt, Hamburg und München sitzt jeweils ein Team von fünf Mitarbeitern, das eng mit den WM-Kollegen zusammenarbeitet, sagte uns Chief Commercial Officer Stefan Meine, der Ende 2021 von seiner Rolle als Head of Corporate Banking bei ABN Amro Deutschland in den damaligen Bethmann-Vorstand wechselte.

Im Oktober ging die Bank in der Muttergesellschaft auf und agiert seither als selbstständige Zweigniederlassung mit verschiedenen Standorten über die Republik verteilt, wobei die geografische Breite eher dem WM zuzuordnen ist. Corporate Banking (Frankfurt) und das „Asset Based Finance“-Geschäft (Frankfurt und Köln) sind zentral angesiedelt. Die fünfköpfige Geschäftsleitung wird weiterhin von Hans Hanegraaf geleitet. Über alle Segmente hinweg umfasst die Einheit rd. 750 Mitarbeiter. Jedes Jahr komme eine zweistellige Anzahl hinzu, wobei die Bank auch anorganischem Wachstum nicht abgeneigt ist, berichtet Meine.

Die Marke Bethmann besteht trotz der Übernahme durch die holländische Großbank (2004) noch immer – und das soll erstmal so bleiben, auch wenn sich der Markenauftritt beider Häuser im Design („Corporate Identity“) nicht unterscheidet. Bei den Kunden im Markt werde die Traditionsmarke aber weiterhin separat wahrgenommen, beteuert Meine, und auch in den Niederlanden sei ABN Amro im WM mit einer eigenen Marke vertreten.

Mit der Muttergesellschaft im Rücken sollte man meinen, das Wachstum falle leichter, bietet das solide Langfristrating doch zusätzlich Sicherheit und technologische Entwicklungen des Konzerns können schnell ausgerollt werden. Was allerdings digitales Banking für Firmenkunden anbelangt – ein Markt, den immer mehr Konkurrenten wie Deutsche Bank („Fyrst“, „Vert“) oder Commerzbank in den Blick nehmen – will Meine nicht der Erste sein: „Wir wünschten, der deutsche Markt wäre da schon weiter. Es gibt bei uns im Haus viel Research und Innovation (z. B. Kreditplattform „New10“, noch nicht in DE ausgerollt), allerdings ist es sehr teuer, Kunden zu gewinnen.“ Wer zu früh dran ist, verdient kein Geld. Andere europäische Länder seien bei der Digitalisierung bank- und kundenseitig schon fortgeschrittener, ist Meine überzeugt.

{{ name }} Chart
{{ name }} Aktie auf wallstreet:online

ARTIKEL DIESER AUSGABE

| Kleidung | 14. November 2022

C&A auf Modernisierungskurs

Das Düsseldorfer Modeunternehmen C&A hat sich in der Vergangenheit gern bedeckt gehalten, zuletzt wohl aus gutem Grund: Im Gj. 2020/21 machte das Unternehmen bei einem Umsatz von 1,4… mehr

| Energieversorger | 14. November 2022

EnBW – Bald wird‘s teuer

Prognosen waren im Energiegeschäft schon einmal einfacher. Bei der Präsentation der Q3-Bilanzen hatten sich Mitte der Woche (9./10.11.) bereits E.ON und RWE mit dem Ausblick schwergetan.… mehr

| Kryptowährungen | 14. November 2022

Bitpanda – Aus Fehlern gelernt?

Während sich die Abgründe aus der FTX-Insolvenz für die Kryptobranche erst nach und nach auftun (s. PLATOW v. 11.11.), bemühen sich kleinere Anbieter bereits um Schadensbegrenzung durch… mehr

| Afrika | 14. November 2022

Afrika – Der unterschätzte Kontinent

Für Florian Witt ist Afrika im Lauf seiner Jahre als führender Banker für Internationale Kunden bei Oddo BHF und davor Commerzbank zu einer Art Berufung geworden. Seine Passion teilte… mehr

| Bankensektor | 14. November 2022

Schattenbanken – Zaghafte Regulatoren

Seit der Finanzkrise fordern Zentralbanker und Aufseher in regelmäßigen Abständen eine schärfere Regulierung des Schattenbankensektors, der mittlerweile für fast die Hälfte des weltweiten… mehr