Mobilität

Bahn – Lutz im Kreuzfeuer

Bahn-Tower in Berlin
Bahn-Tower in Berlin © Deutsche Bahn AG

Bewusst offensiv geht die Deutsche Bahn mit Vorwürfen von 26 Beraterhonoraren für Ex-Vorstände um. Nur so lässt sich der Anschein wahren, dass sich der Konzern selbst unter bester Kontrolle hat. AR-Sondersitzungen und die Berufung einer unabhängigen Kanzlei sollen helfen, die Ungereimtheiten aufzudecken, heißt es aus Berlin.

Doch die jüngsten Erkenntnisse lassen befürchten, dass der finanziell angeschlagene Konzern einer Selbstbedienungstheke für Ehemalige ähnelt. Es geht um Millionen, Geld, das auch dem ehemaligen Vorstand Ulrich Homburg nach Ausscheiden zugutegekommen sein soll, angeblich ohne Kenntnis/Genehmigung des AR.

Für Richard Lutz ist der Skandal ein weiterer Stolperstein auf dem steinigen Weg, den er als Bahn-Chef geht. Die umstrittene Vergütungspraxis fand zwar nicht unter seiner Ägide statt, sondern unter Vorgänger Rüdiger Grube (2010 bis 2018). Lutz war „nur“ Finanzchef. Doch er muss dem AR glaubhaft vermitteln, dass er kein Teil des Problems war und wie solche Zwischenfälle künftig vermieden werden. Erste Maßnahmen hat der AR bereits ergriffen. Beraterverträge von Ex-Vorständen und Geschäftsführern dürfen nur noch mit Genehmigung des AR geschlossen werden.

Auch die Beziehung zum Bund leidet unter dem Skandal. In Berlin werden Forderungen nach mehr Transparenz bei der Bahn laut. Im politischen Kreuzfeuer fällt es Lutz zunehmend schwerer, den Eigner von seiner kritisch beäugten Führungskompetenz zu überzeugen. Der Schuldenberg knackt unter seiner Führung die Obergrenze von 20 Mrd. Euro, die Pünktlichkeitsziele werden konsequent verfehlt. Als letzten Ausweg muss Lutz den Umsatztreiber Arriva verkaufen, um an Kapital zu kommen. Seit Monaten verhandelt er zudem um weitere finanzielle Stütze des Bundes für die sich schleppenden, aber so wichtigen Infrastrukturinvestitionen.

Der Bund drängt mit dem absurden Ziel einer Fahrgastverdoppelung bis 2030. Doch die Schiene ist bereits ausgelastet, profitiert sie doch trotz Verspätungen vom wachsenden Stigma, das Inlandsflügen anhaftet. Bereits 2018 brachte der Trend zu grüneren Mobilitätsalternativen die Bahn im Fernverkehr mit 148 Mio. Fahrgästen auf Rekordkurs. 2019 sind 150 Mio. geplant.

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