US-Wahlen

Donald Trump – Zurück im Corona-Schlamassel

Donald Trump – Zurück im Corona-Schlamassel

_ Der Enthüllungsjournalist Bob Woodward ist in den USA eine Legende, hoch dekoriert mit dem Pulitzer-Preis noch dazu. Zusammen mit seinem „Washington Post“-Kollegen Carl Bernstein recherchierte Woodward in den 1970er-Jahren den Watergate-Skandal, über den der damalige US-Präsident Richard Nixon stürzte.

Diese journalistische Erfolgsstory scheint auch beim aktuellen Amtsinhaber Donald Trump mächtig Eindruck gemacht zu haben, der klassischen Politik-Journalismus ansonsten gern als „Fake News“ abkanzelt. Anders ist es jedenfalls kaum zu erklären, dass Trump dem Starjournalisten für sein neues Buch mit dem Titel „Rage“ („Wut“) in insgesamt 18 persönlichen Gesprächen und Telefonaten freimütig Rede und Antwort stand und auch gegen Tonband-Mitschnitte der Interviews nichts einzuwenden hatte.

Dabei war Trump durchaus bewusst, dass Woodward ihn nicht mit Samthandschuhen anpacken wird. Bereits in seinem ersten Trump-Buch hatte Woodward den Präsidenten nicht gut aussehen lassen. Der Republikaner beschwerte sich daraufhin bei Woodward, das Buch wäre besser geworden, wenn er darin selbst zu Wort gekommen wäre. Eine Einladung, die der Journalist dankend annahm. Offensichtlich hoffte Trump, dass bei einer Beteiligung an dem Buch auch etwas von dem Ruhm des prominenten Autors auf ihn abstrahlt. Zudem hat bislang noch keines der mittlerweile zahlreich erschienenen Trump-Enthüllungsbücher dem Präsidenten nachhaltig schaden können.

Das könnte diesmal jedoch anders sein. Denn mit seinem unverhohlenen Geständnis, die ihm schon sehr früh bekannten Gefahren des Coronavirus in der Öffentlichkeit bewusst heruntergespielt zu haben, um Panik zu vermeiden, rückt Trumps Umgang mit der Corona-Krise nun schlagartig zurück in den Fokus der heißen Phase des US-Wahlkampfs. Seit dem Parteitag der Republikaner, auf dem sich Trump als Retter der um ihre Sicherheit vor Plünderungen und Gewalt bangenden Vorstädte inszenierte, war es dem Amtsinhaber mit seiner Law and Order-Kampagne gelungen, von seinem Corona-Missmanagement abzulenken. Lieferte Trump mit seinem Eingeständnis dem zuletzt etwas in die Defensive geratenen demokratischen Herausforderer Joe Biden doch eine Steilvorlage. Umgehend bezichtigte Biden den Präsidenten, aus purer Sorge um seine Wiederwahl die Corona-Gefahren absichtlich verschleiert zu haben, um einen Absturz der US-Wirtschaft und der Börsenkurse zu verhindern.

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