Regulatorik

Finanzaufsicht – Endlich mit mehr Biss

BaFin-Außenstelle Frankfurt
BaFin-Außenstelle Frankfurt © Kai Hartmann Photography/BaFin

Die Regulatoren schauen genauer hin. Dafür finden sich derzeit weltweit Beispiele. Überall, wo es in den Boomjahren zuletzt besonders ungeniert zuging und am Ende Anleger schwer bluten mussten, schlagen sie zu. Etwa beim Greenwashing von Fonds oder auf dem exzessiven Markt der Kryptowährungen. In den USA gibt es zudem noch den Sonderfall der Spacs, die dort wie Pilze aus dem Boden geschossen waren.

Hinter dem Kürzel verbirgt sich eine Art Mantelgesellschaft, die zunächst Kapital über einen Börsengang einsammelt, um dieses in einem zweiten Schritt in die Übernahme von Unternehmen zu investieren. Mehr als 1 000 solcher Gesellschaften, z. T. mit Stars aus Sport und Film als Zugpferden, kassierten vom Anleger hohe Gebühren und versprachen diesem das Blaue vom Himmel.

Bei den Kryptos hatte der Zusammenbruch des Stablecoin-Netzwerks Terra den Markt implodieren lassen. Auch der unter Anlegern sehr beliebte Bitcoin wurde mitgerissen, was eine Blutspur hinterließ. Im Vorfeld waren Warnungen der Regulatoren regelmäßig überhört worden, die aber auch nicht wirklich Zähne zeigten. Die Party lief ja und sollte nicht gestört werden. Solche Abläufe haben in bestimmten Phasen des Aufschwungs fast schon den Charakter von Ritualen. Schade, dass sich die Aufsicht von Zyklus zu Zyklus immer wieder darauf einlässt und es sehenden Auges zulässt, dass zunächst viel Anlegergeld verbrannt wird.

Jetzt, da das Kind in den Brunnen gefallen ist, gibt es überall Rückenwind für mehr Aufsicht und Kontrolle. In Südkorea soll die entsprechende Behörde für digitales Geld noch im Juni ihre Tätigkeit aufnehmen. In Japan passierte ein Gesetz das Oberhaus. Es sieht vor, dass digitales Geld ausschließlich von Profis bei Banken und Versicherungen ausgegeben wird. Um Privatanleger vor hohen Verlusten zu schützen, sollen Kryptos nur in enger Anbindung an staatliche Währungen in Umlauf kommen. 

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