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DWS – Hohe Ziele, nichts dahinter

_ Wer sich auf S. 103 des DWS-Geschäftsberichts 2021 (Vergütungsreport) die vom Aufsichtsrat unter Vorsitz von Karl von Rohr (Deutsche Bank) abgesegneten „Themenfelder der individuellen Zielvereinbarung“ für die 6-köpfige DWS-Führung anschaut, stößt auffallend oft auf Begriffe wie „ESG“ und „Nachhaltigkeit“.

Der abgesetzte Vorsitzende Asoka Wöhrmann etwa sollte demnach „Nachhaltigkeit als Kernprinzip der DWS vorantreiben“. Bei Manfred Bauer (Leiter Product Division) heißt es „ESG als Grundprinzip für neue Produkte einführen“, bei Dirk Goergen (Leiter Client Coverage) „Schaffung und Stärkung von ESG-Know-How in Vertrieb und Kundenberatung“, bei Stefan Kreuzkamp (CIO) „Erweiterung der ESG-Verfahrensweisen im Investmentprozess ...“, bei Claire Peel (CFO) „Einbettung von Nachhaltigkeitsansätzen in Risikomanagement- und Finance-Prozessen ...“.

An anderer Stelle des 24-seitigen Vergütungsberichts findet sich in einer Art Resümee der Hinweis, dass „unter Berücksichtigung der Gewichtungen der Einzelziele für das Profil im Bereich ESG ein Zielerreichungsgrad von 134%“ ermittelt wurde. Eine stolze Zahl, die so gar nicht zur Razzia und den staatsanwaltlichen Ermittlungen wegen Greenwashing-Vorwürfen passen will, sich aber sehr wohl in den üppigen Vergütungen 2021 des hoch auf ESG und Nachhaltigkeit incentivierten DWS-Managements niederschlägt.

So weist der DWS-Vergütungsbericht allein für Wöhrmann eine Gesamtvergütung (inkl. Long Term Award) von 6,945 Mio. Euro aus, 31% mehr als im Jahr davor. Damit liegt Wöhrmann erstaunlich knapp hinter Konzernchef Christian Sewing (8,813 Mio. Euro). Im Übrigen verdient im 10-köpfigen Vorstand der Deutschen Bank neben Sewing nur von Rohr (7,143) mehr als Wöhrmann, alle anderen, darunter auch der CFO James von Moltke (6,748 Mio. Euro), weniger. Bei den nächtlichen Verhandlungen von Dienstag auf Mittwoch zwischen Aufsichtsrat und Wöhrmann ging es auch um die Höhe der Abfindung für seinen erst kürzlich um erneut drei Jahre verlängerten Vertrag. Insgesamt wurden 2021 den sechs Köpfen der DWS-Führung rd. 20 Mio. Euro zugeschrieben, im Durchschnitt also gut 3,3 Mio. Euro. Hätte die Staatsanwaltschaft hier zu entscheiden, müsste wegen Zielverfehlung im Bereich ESG und Nachhaltigkeit einiges Geld an die Company zurückfließen. Der Streubesitz hätte sicher nichts dagegen. Durch die ESG-Malaise wurde die DWS-Aktie bis unter den Ausgabekurs von 2018 (32,50 Euro) gedrückt.

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