Klassisches Chemiegeschäft leidet unter Lagerabbaueffekten

© Pressefoto BASF
(26.1.2012) 

Traditionell gibt der amerikanische Chemieriese DuPont mit der Veröffentlichung der Quartalsergebnisse die Richtung für die Branche vor. Bereits im Dezember hatten die Amerikaner allerdings die Märkte vorgewarnt. Am Ende fiel der Gewinnrückgang von 463 Mio. auf 325 Mio. US-Dollar (vor Sondereffekten) im letzten Quartal aber weniger schlimm aus als befürchtet. Dafür hatte u. a. das gute Agrogeschäft gesorgt. In diesem Teilsegment gelang vor allem wegen eines guten Geschäfts in Lateinamerika eine Steigerung der abgesetzen Menge um 3%. Diese positive Entwicklung sollte sich auch in den Q4-Ergebnissen der Konkurrenten BASF und Bayer widerspiegeln.

Die klassischen Chemiebereiche litten jedoch im letzten Vierteljahr unter Lagerabbaueffekten und einer eher abwartenden Haltung vieler Kunden, die mit Preisreduktionen gerechnet hatten. So sackten beispielsweise die Mengen bei DuPont-Performance Chemicals um 17% und bei Performance Materials (Kunststoffe) um 13% nach unten. Volumenrückgänge waren vor allem in den Regionen EMEA (-13%) und Asien/Pazifik (-23%) zu sehen. Es spricht somit vieles dafür, dass auch in den Q4-Berichten der deutschen Chemieunternehmen die europäische Nachfragedelle zu sehen sein wird. Die traditionelle saisonale Schwächephase im Q4 dürfte somit ausgeprägter ausgefallen sein als üblich. In China hat sicherlich auch das frühe chinesische Neujahr belastet, das bereits den Dezember beeinflusst haben dürfte. Zudem gelten die asiatischen Kunden als sehr preissensitiv.

In die Hände spielen dürfte den europäischen Chemieunternehmen der schwächere Euro. Durch die zahlreichen Auslandsgesellschaften sind positive Translationseffekte zu erwarten. Gleichzeitig sank der Importdruck durch Wettbewerber. Zu Beginn 2012 bleibt es für die Branche entscheidend, die hohen Rohstoffkosten auch weiterhin überwälzen zu können. DuPont konnte im Q4 die Preise im Schnitt um 14% erhöhen und hat bereits weitere Anpassungen angekündigt. Auch die deutschen Chemiker dürften weiter an ihrer bewährten Preis-vor-Menge-Strategie festhalten und damit die Margen sichern. Denn viele Grundchemikalien werden schon wieder teurer. (lz)